Hintergrundinformationen zu Epilepsie |
| Geschrieben von: engelsstaub |
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Wichtig:
Interessierte und Betroffene können sich Literatur vom Tierarzt
empfehlen lassen und sich mit Betroffenen austauschen. Dafür gibt es im
Internet diverse Seiten/Foren, die sich mit "Epilepsie bei Katzen"
ausführlicher auseinandersetzen. Wer welchen Weg und welche
Informationsquelle wählt, darf dabei dem Katzenbesitzer selbst
überlassen werden! Deshalb werde ich keine Empfehlungen mehr
aussprechen!
Lange bin ich durch die Tierarztpraxen gereist, bis die Diagnose
Epilepsie gestellt werden konnte. Als er einen Grand-Mal erlitt, gab es
keine Zweifel mehr. Tarzan schrie, die Nickhaut war zu sehen und sein
Körper fing an zu zucken. Ich dachte, dass er stirbt.....Das alles war
nach endlosen Minuten vorbei. Tarzan speichelte nur leicht und ihm war
offensichtlich sehr übel nach dem Anfall.
Er bekommt eine halbe bis dreiviertel Luminalette (Phenobarbital) am
Tag. Sein Wesenszustand hat sich merklich verbessert. Er ist wieder
"wach", verspielt und wirkt ausgelassen. Leider hat er noch immer
Phasen, bei denen er unter Halluzinationen, Angstattacken und
aggressiven "Aussetzern" leidet. Diese sind dennoch merklich
abgeschwächter, als vor der Medikation.
"Die Gehirnfunktion ist vorübergehend gestört, die Krampfanfälle hören spontan auf. Solche paroxysmale Funktionsstörungen treten bei allen Formen der Epilepsien auf und sind ausgelöst durch eine leichte Erregbarkeit der Nervenzellen" (A. Tipold, "Krankheiten des Nervensystems" in: " Katzen Krankheiten. Klinik und Therapie, 5. überarbeitete Auflage, W. Kraft, U.M, Dürr und K. Hartmann (Hrsg.)). A. Tipold (2003) spricht von einer "niedrigen Krampfschwelle" des Gehirnes, die entweder erblich oder erworben sein kann. Es gibt also die primäre Epilepsie (idiopathische Epilepsie), die eine angeborene Krankheit ist und an der die Tiere oft erst im zweiten oder dritten Lebensjahr erkranken und die sekundäre Epilepsie (symptomatische Epilepsie), die nicht angeboren ist. Sie tritt in Folge von anderen Erkrankungen auf. Die Ursachen hierfür können sehr vielfältig sein. Andauernde Gehirnentzündungen und andere Krankheitsbilder können dafür Auslöser sein (vgl.Bodmann, http://www.loetzerich.de/Gesundheit/Epilepsie/body_epilepsie.html ). Bei der idiopathischen Epilepsie kann weder bei der klinischen noch bei der pathologischen Untersuchung eine Läsion gefunden werden (vgl. Tipold, 2003). Die Krampfbereitschaft ist bei der erblichen Form erhöht, bei der erworbenen sind starke Reize notwendig, um die bestehende Krampfschwelle zu erniedrigen (und Anfälle auszulösen). Starke Reize können Stress durch Veränderung, plötzliches Erschrecken u.a. durchaus bereits sein. Zusammengefasst: "Epilepsien ohne erkennbare Ursache werden "genuine" oder "idiopathische" Epilepsien genannt, bei ihnen ist keine ursächliche im Gehirn gelegene Läsion (z.B. Tumor, Hirnfehlbildung) oder stoffwechselbedingte Krankheit feststellbar. Für idiopathische Epilepsien besteht eine genetische Prädisposition. Im Gegensatz dazu stehen die "symptomatischen" Epilepsien, die auf strukturelle oder stoffwechselbedingte Störungen, wie z.B. vorgeburtliche Hirnschädigungen, Hirnfehlbildungen, Tumoren, traumatische Hirnschädigungen, Hirnhaut- oder Gehirnentzündungen, Stoffwechselerkrankungen oder Vergiftungen (Intoxikationen) zurückgeführt werden können" (http://www.m-ww.de/krankheiten/neurologische_erkrankungen/epilepsie.html)
Tipold hebt hervor, dass zahlreiche Katzen im Laufe ihres Lebens ein einziges mal oder wenige Male einen Anfall erleiden. Doch: Unter Epilepsie versteht man das Wiederkehren von Krampfanfällen! Symptomatische
Formen werden entsprechend der Ursache behandelt, bei der
idiopathischen Epilepsie ist durch medikamentöse Einstellung meist
Anfallsfreiheit zu erzielen. Die Sonderform des Status epilepticus mit
einer Dauer über 20-30 Minuten ist ein lebensbedrohlicher Zustand und
bedarf einer Akutbehandlung.
Das Erscheinungsbild der Epilepsien ist variabel und am häufigsten
werden generalisierte Anfälle gesehen. Diese entsprechen meistens dem
Grand-Mal-Typ (vgl. Tipold 2003, S. 1088). Generalisierte Anfälle
breiten sich über beide Hemisphären des Gehirnes aus, wobei ein
Ausgangsort oft nicht genau festgelegt werden kann.
Grand Mal ("Großer Anfall") wird von folgenden Symptomen begleitet:
"In der tonischen Phase versteifen sich alle Extensormuskeln (gestreckte Gliedmaßen ..), in der klonischen Phase werden Lauf- und Kaubewegungen beobachtet. (..) In der postikalen Phase, die sehr kurz sein oder bis zu einem Tag dauern kann, sind die Tiere desorientiert, manchmal blind, zeigen Drangwandern oder abnormales Verhalten (Heißhunger etc.) (Tipold, 2003, S. 1088).
Fokale Anfälle (Petit Mal): Fokale Anfälle: Die Tiere sind meist bei normalem Bewusstsein und Muskelzuckungen beschränken sich auf einen Teil des Körpers. Komplex fokale Anfälle: Bewusstseinsstörungen sind vorhanden und sie werden auch als "psychomotorisch" bezeichnet, da Verhaltensstörungen beobachtet werden (plötzliche "Abscencen", Aggressivität, unmotiviertes Fauchen, zwanghafte Bewegungen wie Leck- und Kaubewegungen, "Running fit (Raserei)", Rolling Skin Syndrom (Rückenzucken, "Roll- und Wellenbewegungen sind auf dem Rücken zu beobachten), Halluzinationen u.a.). Fokale Anfälle können auch in generalisierte Anfälle übergehen. Fokale Anfälle und Symptome:
Therapie:
Phenobarbital
soll eines der wirksamsten Mittel sein, welches sich durch geringe
toxische Wirkung auszeichnet und sich aufgrund von langjähriger
Erfahrung bewährt gemacht hat (vgl Bodmann). Es können auch andere
Medikamente zum Einsatz kommen. Dies wird der Arzt entscheiden und
liegt in seinem Ermessen. Diazepam und Clonazepam, evtl.
Pentobarbiturate werden im status epilepticus eingesetzt. "Die
Tierärztin/der Tierarzt sollte sich über die Wirksamkeit der
Antipeileptika bei der Katze im Klaren sein und keine seit langem
erwiesenermaßen unwirksame Mittel mehr einsetzen. Darüber hinaus sollte
über die Halbwertszeit und Wirkungsdauer Klarheit herrschen. Löscher
(1993, 1994) gibt als wirksame Antiepileptika Diazepam und
Phenobarbital an. Fraglich ist, ob Primidon, Phenotyin, Carbamazetin,
Clonazepam und Nitrazepam bei der Katze wirksam sind" (Tiplod 2003, S.
1090). Man sollte sich bei der Katze daher für die Behandlung akuter
Anfälle auf Diazepam und Phenobarbital beschränken. Phenobarbital
eignet sich für die Langzeittherapie.
Das Tier spürt Angst und Unsicherheit. Bei einem Anfall ist es schwer, gelassen zu bleiben. Kommt es zu Zuckungen muss das Tier auf jeden Fall gesichert werden. Das heißt: Es sollte nicht stürzen und sich verletzen können. Manche polstern die Gegend um beliebte Schlafplätze aus. Scharfe Ecken, kanten etc. sollten ebenfalls so gestaltet werden, dass sich das Tier nicht verletzt (das sollte generell so sein, doch nun gilt es nochmals mit besonders offenen Augen das Zuhause zu begutachten). Bleiben Sie bei dem Tier. Reden Sie mit der Samtpfote und sagen Sie ihr, dass das bald vorbei ist. Sicherlich sollte man den Tiger im Auge behalten und vielleicht sogar ein Tagebuch führen. Der Tierarzt ist auf Ihre Beobachtungen und Erzählungen angewiesen. Die Katze ist für Geduld, Liebe und Verständnis sehr dankbar. Auch wenn es in aggressiven Phasen des Tieres schwer fallen mag. Sobald sich der Zustand der Katze verschlechtert, ruhig den Tierarzt anrufen, es schildern und danach handeln. Manchmal muss die Katze anders eingestellt werden. Ein harmonisches und möglichst stressfreies Zuhause ist auf jeden Fall förderlich für den Gesundheitszustand des Tieres.
Gute Erfahrung habe ich persönlich mit dem Feliwaystecker gemacht
(Stoffe, die den Gesichtspheromonen der Katze nachempfunden sind und
eine beruhigende Wirkung auf das Tier haben können). Falsch wäre es
natürlich das Tier "in Watte" zu packen und panisch jede Regung zu
beobachten. Es ist ein Hochseilakt zwischen Aufmerksamkeit, Fürsorge
und übertriebener Sorge/Fürsorge/Angst. Mit der Zeit lernt man gut mit
der Krankheit umzugehen. Wie es für die Katze ist, kann ich natürlich
auch nicht sagen...doch ich sehe, dass Tarzan wieder aufgeblüht ist und
endlich wieder Lebensfreude entwickelt. |