Wird geladen ...

Neues aus der Wetterau

Das Katzen-Forum ist schick und neu.
Zum Forum

Hyperthyreose

Da ich selbst ja Halter einer hyperthyreotischen Katze bin, hab ich mich auf die Suche nach vielen Infos gemacht. Er erfolgten einige Gespräche mit meinem TA, Erklärungen zu Quellen wurden mir gegeben, Fachbegriffe erläutert.

Ja, man hätte Peewee eher auf Hyperthyreose testen sollen. Ich ziehe mir den Schuh an, mein TA macht sich den Vorwurf nicht eindringlich auf den T4-Test bestanden zu haben. Durch die Gepräche hat sich mein ursprüngliches Vertrauen zu meinem TA bestätigt, worüber ich sehr froh bin. Krumm genommen hat mir niemand meine Recherchen und Fragen sondern man ist darauf eingegangen und hat mir viel Zeit (ohne Berechnung) gewidmet. Inwieweit Peewees chron. Durchfall einen Zusammenhang mit der Hyperthyreose hat, wird sich erst bei erfolgreicher Behandlung mit dem Thyreostatikum zeigen, eine grosse Wahrscheinlichkeit besteht natürlich. Jetzt aber allgemeine Infos zur Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion):
Bei der Hyperthyreose wird von der Schilddrüse vermehrt T4 abgegeben(Thyroxin) aber auch T3 (Trijodthyronin).

Thyroxin ist im gesunden Maß natürlich wichtig. Der Organismus wird gesteuert. Bei der Überfunktion arbeiten sämtliche Organe auf Hochtouren, die Katze kann gar nicht so viel Nährstoffe aufnehmen wie der Körper verbraucht. Gefährlich kann es für das Herz werden. Eine unbehandelte Katze kann an Herzversagen oder Erschöpfung sterben. Es kommt vor, dass unter der Hyperthyreose eine maskierte Niereninsuffizienz vorhanden ist. Durch die Überfunktion der Schilddrüse arbeiten ja auch die Nieren schneller, filtern wie wild. Betroffen sind Katzen zumeist ab einem Alter von 8 Jahren, anteilig mehr Kater als Kätzinnen. Das Verhältnis liegt ca. bei 3:2. Jedoch Vorsicht: es können auch jüngere Katzen betroffen sein!
Ursachen sind unklar, es wird über Futter, Katzenstreu und einiges anders spekuliert. Scheinbar ist die Hyperthyreose im Süden Deutschlands weiter verbreitet als im Norden.

Symptome einer Hyperthyreose können Folgende sein:

  • Gewichtsverlust ( 82,5% der untersuchten Katzen in einer Studie der I. MTK in München) Futtergier (Polypagie, 70%) -vermehrtes Trinken (Polydipsie, 62,5%) -Erbrechen (52,5%) Durchfall (40%) -Unruhe (30%), dazu können auch Aggressivität oder Hyperaktivität zählen.
  • struppiges Haarkleid (47,5%)
  • Pulsfrequenz bei der Untersuchung über 200/min (87%) (Tachykardie)
  • bei 90% der Katzen ist die Schilddrüse zu palpieren ( Palpation= Untersuchung durch Tasten unter leichtem Druck).

Die Diagnose:

Sie ist meist einfach über die Bestimmung des T4-Wertes im Blut zu bestimmen. Der Referenzwert (laut Laboklin) liegt bei 0,9-2,9.
Werte über 3,8 bestätigen die Hyperthyreose. (Wichtig dabei: es wird mit unterschiedlichen Referenzwerten und Maßeinheiten je nach Labor gearbeitet. Deshalb ist immer der Referenzwert des ermittelnden Labors notwendig!)

Allerdings gibt es auch erkrankte Katzen, deren Wert nicht so aussagekräftig ist. Wenn bei niedrigeren Werten sichtbare Symtome auf eine Hyperthyreose hinweisen sollten weitere Tests gemacht werden, um eine genaue Diagnose zu bekommen. Da gibt es einmal den TRH-Stimulationstest: Die Katze bekommt Blut abgenommen. Danach wird TRH intravenös gegeben. Nach 4 Stunden wird erneut Blut abgenommen.

Im Labor wird der T4-Wert vor und nach der Stimulation gemessen.

Keine Hyperthyreose: T4-Anstieg > 60%

Hyperthyreose: T4-Anstieg < 50%.

Ein weiterer Test ist der T3-Suppressionstest.

Es wird Blut abgenommen. Anschliessend bekommt die Katze 7 mal hintereinander, im Abstand von 8 Stunden oral T3 verabreicht. 2-4 Stunden nach der letzten Gabe wird wiederum Blut abgenommen, beide Proben werden im Labor untersucht.

Keine Hyperthyreose: T4-Suppression > 50%

Hyperthyreose: T4-Suppression < 50%.

Ebenso kann die Szyntigraphie bei der Diagnosefindung behilflich sein.

Weitere Blutwerte können einen Aufschluss über eine Erkrankung geben:

  • erhöhte Leukozyten (54%, Studie I. MTK München, s.o.)
  • erhöhter Hämatokritwert (26%)
  • erhöhte Leberenzymaktivitäten (ALT, AP,68,5 bzw. 68,4%)
  • niedrigere Thrombozyten
  • niedrigere Lymphozyten (33%)
  • niedrigere Eosinophile Granulozyten
  • erhöhte Glucosewerte
  • erhöhte Phosphatwerte (anorg. Phosphat 37,8%)
  • erhöhter Bilirubinwert (Gallenfarbstoff, 20,6%)
  • erhöhte Harnstoffkonzentration ( 52,5%)
  • erhöhte Kreatininwerte (5%)


Die Therapie:

Es gibt zur Zeit drei verschiedene Therapieformen.

Welche Art man durchführen lässt sollte mit dem Tierarzt abgesprochen werden.

1: die Radioiodtherapie:

Die Radioiodtherapie wird nur in wenigen Kliniken durchgeführt, z.B. Vet-Uni-Klinik Gießen oder auch in München. Auch die „Faculteit de Diergeneeskunde„ in Utrecht bietet dies an. Diese Uni-Klinik arbeitet auf amerikanischem Standart, wo die Radioiodtherapie im Übrigen eine Standardbehandlung ist.

Diese Therapieform gilt als die Effektivste.

Radioaktives Iod 131 wird einfach ausgedrückt der Katze verabreicht. In der Regel findet sich nach einer Woche eine deutliche Reduktion der fT3- und fT4-Konzentration. Die TSH-Konzentration erreicht ca. 3 Wochen nach der Radioiodtherapie den Referenzbereich. Diese Therapie wirkt sehr schnell, hat eigendlich keine Nebenwirkungen. Vorsicht ist allerdings angebracht: unter der Hyperthyreose kann sich wie oben schon erwähnt eine Niereninsuffizienz verstecken. Gerade bei der schnellen Wirksamkeit dieser Therapieform muss besonders auf den Harnstoff- und Keratininwert geachtet werden, eine Urinuntersuchung ist ebenso ein Muss.

Es kann vorkommen, dass diese Therapie wiederholt werden muss.

Ein Nachteil dieser Therapie ist, dass aufgund der deutschen Strahlenschutzgesetze die Katze längere Zeit isoliert in der Klinik bleiben muss.


2: operative Entfernung:

Birgt ein höheres Risiko. Bei Katzen, die ein Narkoserisiko haben, ist davon abzuraten. Wenn zuviel Gewebe entfernt wird kann sich die Symtomatik ins Gegenteil umkehren, eine Unterfunktion der Schilddrüse entsteht. (Besonders gefährlich hinsichtlich einer Niereninsuffizienz!) Auch wenn nur krankes Gewebe entfernt wird wurde doch häufig beobachtet, dass sich nach ca.2 Jahren wieder eine Überfunktion eingestellt hat.

3: Thyreostatika:

Die Gabe von Thyreostatika ist anzgezeigt bei Katzen, die ein erhöhtes Risiko tragen an einer maskierten Niereninsuffizienz zu leiden oder für die die anderen Therapieformen aus anderen Gründen nicht in Frage kommen. Am Bekanntesten dürften die Mittel Carbimazol und Thiamazol (Methimazol) sein.

Carbimazol hat die wenigsten Nebenwirkungen. Möglich sind Nahrungs-und Flüssigkeitsverweigerung (Anorexie), Erbrechen. Selten Apathie, Hautsymtome sehr selten. Dies sind die Nebenwirkungen die vom Besitzer erkannt werden können, weitere sind nur durch Laboruntersuchungen festzustellen. Leider gibt es noch die sehr seltene Nebenwirkung Agranulozytose. Ganz einfach ausgedrückt, wird der Körper anfällig für alle möglichen Erreger, das Immunsystem ist kaputt. Daher sollte bei einer Infektion, Fieber sofort der Tierarzt aufgesucht werden und nicht gewartet werden.

Carbimazol wird im Körper zu Methimazol umgewandelt, daher ist eine höhere Dosierung im Vergleich zum Thiamazol in Erwägung zu ziehen. (5 mg Carbimazol entsrechen ca.! 3mg Thiamazol). Thiamazol wird direkt verwertet, da es nicht mehr umgewandelt werden muss. Leider sind hierbei die Nebenwirkungen stärker. Sie gleichen den Nebenwirkungen des Carbimazol, treten allerdings häufiger auf. Die Dosierungsempfehlung schwankt in den unterschiedlichsten Quellen.

Allgemein wird eine Gabe von 2-3 mal täglich 5 mg empfohlen. Man geht jedoch dazu über, viel geringer anzufangen um eine bessere Kontrolle zu haben, auch im Hinblick auf die maskierte Nierensufizienz. Eine Gabe von 2,5 mg Carbimazol/Thiamazol 2 mal täglich ist angebracht. Zu Beginn der Therapie sollte auch hier mindestens die Harnstoff-und Keratinin-Werte ermittelt werden, ein U-P/C-Test ist ratsam.

Nach 2 Wochen sollten die relevanten Werte überprüft werden, T4-Konzentration und natürlich die Harnwerte. Der Tierarzt wird dann weiterentscheiden, mit welcher Dosierung fortgefahren wird. Regelmässige Kontrollen sind wichtig. Unterstützend dazu kann durchaus das Messen der Herzfrequenz sein, da eine hypertyreotische Katze ja eine beschleunigte Herzfrequenz hat.

Dazu wird an der Innenseite der Oberschenkel der Puls gefühlt. Ich habe da nicht so sensible Fingerspitzen, übe aber noch fleissig. Eine Möglichkeit, die SDÜ zu behandeln ist die Gabe von Iodum, ein homöopathisches Mittel. Dies sollte allerdings nur in Zusammenarbeit von Tierarzt und Homöopathen erfolgen. Eine Erstbehandlung mit konventionellen Thyreostatika und anschliessender Zuführung von Iodum inklusive regelmäßiger Blutwerte ist möglich. Allerdings sollte man wegen der Dringlichkeit der Behandlung nie auf die Schulmedizin verzichten!!!

Gerade das langsame Herantasten an die passende Dosierung, an den euthyreotischen Zustand, vereinfacht ein Erkennen der Niereninsuffizienz, im Gegensatz zur Radioiodtherapie oder der OP. Dort wird allerdings im Vorfeld die Katze auch mit Thyreostatika behandelt. Man hat sogar die Möglichkeit die Katze vorerst in einem leichtern hyperthyreotischem Zustand zu lassen um so gezielt gegen die Niereninsuffizienz anzugehen.

Beitrag im Forum

Links zum Thema:

Auszugsweise Wissen aus dem Kraft/Dürr www.vetmed.uni-muenchen.de/anat1/2000_ek1.html
http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/jacobsi_2002.pdf

www.felinecrf.info/index.htm
www.loetzerich.de/Gesundheit/Schilddruese/body_schilddruese.html
www.laboklin.de
www.catgirly.de (für die genauere Erklärung der einzelnen Laborwerte)