Gibt es eine Rangordnung unter Katzen? |
| Geschrieben von: UrmelMurmel |
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Den folgenden Text habe ich selbst erstellt. Weil ich mich obiges immer wieder gefragt habe, und meine Beobachtungen nicht wirklich dafür sprachen, hab ich mir Leyhausens Aussagen dazu angeschaut, und für mich einen Artikel dazu erstellt.Da das Thema generell spannend ist, stell ich ihn auch hier ein. Quelle war das Kapitel "Revierverhalten und Rangordnung" aus"Katzen eine Verhaltenskunde" von Professor Dr. Paul Leyhausen,Verlag Paul Parey, 6.Auflage 1982, S.186ff Leyhausen gibt an, dass seine Darstellungen aus Beobachtungen von Leyhausen, aus sich über mehrere Jahre erstreckenden Beobachtungsprotokollen von Wolff und gemeinsamen Untersuchungen Leyhausens und Wolffs stammen. Wenn sich Leyhausen auf andere Verhaltensforscher bezog, sind diese in Klammern angegeben.Leyhausen war Verhaltensforscher und untersuchte über 40 Jahre lang das Verhalten u.a. von Hauskatzen und führte zu diesen Zwecken ein eigenes Institut. RevierbildungKatzen bilden ein Revier, das mit der Beschreibung des durchschnittlichen Säugetierreviers (Hediger) grob übereinstimmt: ein Revier 1.Ordnung (Heimbezirk) und ein Streifgebiet, das aus verschiedenen Örtlichkeiten, die durch ein Wegenetz miteinander verbunden sind, besteht. Auf dem Lande erreicht es eine Größe von ca. 0,5 - 1qkm, während der Paarungszeit größer, in bebautem Gebiet kleiner. Das Revier ist aber nicht als räumliches, sondern als "raum-zeitliches" Gebilde zu verstehen. So überschneiden sich in der Regel die Wegenetze benachbarter Katzen (gemeinsame Nutzung der Pfade und Jagdgebiete, manchmal auch Ruheplätze und Beobachtungsposten). Doch gemeinsame Nutzung heißt nicht gleichzeitige Benutzung, die Katzen meiden persönliche Begegnungen. Viele Tiere erreichen dies (gemeinsame Nutzung der Streifgebiete), indem sie einem genauen Zeitplan folgen, um Zusammenstöße zu vermeiden, quasi eine "Verkehrsregelung" aufstellen (Hediger). Jedoch können sich Katzen auch anpassen, wenn durch Einfluss des Menschen (z.B. Fütterungsstellen) feste Zeiten für mehrere Katzen gleichzeitig gelten. Auch können Hauskatzen in den meisten Fällen dazu gebracht werden, sogar ihr Revier 1.Ordnung mit einer oder mehreren Katzen zu teilen, was gelegentlich auch in "echten Wildpopulationen" vorkommt. ReviernutzungO.g. Verkehrsregelung wird nach Leyhausens Beobachtungen visuell abgewickelt, zumeist friedlich ohne Vertreibung und Kämpfe. Beim gleichzeitigen Zusammentreffen zweier Katzen im Streifgebiet wurden zumeist folgende Verhaltensweisen beobachtet: eine Katze beobachtet eine andere und wartet ab, um den gleichen Pfad erst abzulaufen, wenn die andere Katze bereits außer Sichtweite ist. Oder beide Katzen hocken sich gegenüber und starren sich an, bis schließlich eine Katze die Initiative ergreift, erst zögernd in Richtung der anderen geht, um dann im beschleunigten Tempo an ihr vorbeizuziehen und im hastigen Trab diesen Ort zu verlassen. Oder beide Katzen ziehen sich fast gleichzeitig aus dem Blickfeld der anderen zurück.
Nur sehr
selten kommt es, wenn die Katzen sich schon in der Entfernung sehen
können, zu Vertreibungen oder gar zum Angriff. Eher bei überraschenden
Zusammenstößen in unübersichtlichem Gelände sind Auseinandersetzungen
wahrscheinlich. Dabei setzt zumeist, bei weiteren Zusammenstößen an
diesem Ort, das vormals besiegte Tier sofort zur Flucht an und das
Siegertier setzt ihm nach und traktiert es ggf. mit Hieben. So stellt
sich für diesen Ort und diese Zeit ein Vorrang des Siegertieres heraus.
Dabei sind Weibchen intoleranter als Männchen und wenn sie einen Wurf
großziehen verteidigen sie ihr Revier und Heimbezirk stark. Rangordnung?Dennoch entsteht aus solchen Grenzkämpfen keine immer gültige, starre Sozialhierarchie. Die in Revier-Grenzkämpfen gewonnene Überlegenheit bleibt an diesen Ort und an diese Zeit gebunden. An einem anderen Ort oder zu anderer Zeit kann eine Auseinandersetzung der gleichen Tiere anders ausfallen (da z.B. Selbstvertrauen und Kampfesmut im Verhältnis zur Entfernung des Revierzentrums stehen) oder keine Auseinandersetzung stattfinden.Der Rang einer Katze steht also in Beziehung zu Ort und Zeit der jeweiligen Begegnungen. Leyhausen nennt das Relative Soziale Hierarchie oder Relative Rangordnung im Gegensatz zur absoluten Rangordnung bei Rudel- und Herdentieren. In Grenzbereichen ist oft einfach die Katze überlegen, die zuerst eintrifft, die letztere Eintreffende ist "wartepflichtig". Jedoch kann die Letztere versuchen ihr diesen momentanen Rang streitig zu machen.Manchmal setzt sich auch ein ständiger höherer Rang eines überlegenen Tieres durch (Feindschaft zwischen zwei Nachbarn), aber das ist keinesfalls die Regel. In der Regel darf auch ein körperlich unterlegenes Tier das Revier eines Überlegenen begehen und nutzen, und ein überlegenes Tier wird ein unterlegenes nicht aus seinem Revier vertreiben. Es kommt sogar vor, dass sie gleichzeitig im selben Gebiet jagen. Markierung zur Abgrenzung des Reviers?Oft wurde beschrieben, wie in Revieren solitärer Jäger, diese ihr Revier mit Düften (Kratz- oder Harnmarkierungen) abgrenzen, als Warnsignal oder Stoppschild für Unbefugte und Eindringlinge. Die Abgrenzung durch Duftmarken konnte jedoch, nach Leyhausens Kenntnissen, bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Wohl setzen Katzen, Kater wie Weibchen, Harnmarken ins Revier, aber es wurde noch nie beobachtet, dass eine Katze sich zurückzog, wenn sie die Markierung einer anderen wahrnimmt. Sie beschnüffeln sie in Ruhe und gehen dann unbeeindruckt weiter oder setzen eine eigene Marke darüber. Von daher liegt der Verdacht nahe, dass die Duftmarken eine andere oder mehrere Funktionen haben. Z.B. unerwartete Begegnungen und plötzliche Auseinandersetzungen zu vermeiden oder zu verraten, wer sonst noch so auf diesen Wegen unterwegs ist und wie weit entfernt
(Anm. von
mir: das Tier kann auslesen, wann ungefähr die Duftmarke gesetzt wurde,
sie nimmt ja mit der Zeit an Intensität ab, und das Tier erfährt, wer
wann diesen Weg benutzt hat). Die Markierung fällt also vermutlich eher
in den Bereich der Kommunikation untereinander, als den der Abgrenzung.
Auch werden Harn-Markierungen auch in anderen Situationen gesetzt, z.B.
bei Kämpfen kann das besiegte Tier nach Rückzug spritzen oder der
Sieger unterbricht seinen Imponierlauf zum mehrmaligen Spritzen. Besonderheit bei Katern
Der aus Revierkämpfen hervorgehende Status ist relativ, an Ort und
Zeit gebunden (s.o.), jedoch finden die Rivalenkämpfe der (potenten)
Kater revier-unabhängig statt und deren Rangordnung untereinander ist
dann (zum Teil) auch absolut, wie bei Herdentieren. So eine absolute Rangordnung funktioniert nur, wenn sich alle Mitglieder persönlich kennen, von daher findet man sie bei allen Gruppen, Herden und in ähnlich strukturierten Gemeinschaften.
Unter Katzen gibt es diese absolute Rangordnung nicht. (s.o.) Rangordnung und "Verdichtung"
Wie sieht es aus, wenn Katzen auf engem Raum zusammenleben und keine Einzelreviere gebildet werden können? Bleiben Geschwister über die Zeit der Familienauflösung hinaus beisammen, so leben sie meist friedlich zusammen, wenn der Raum nicht allzu eng ist und jedes Tier Rückzugs- und Ruheplätze hat.Sind mehrere erwachsene, sich erst fremde Katzen gezwungen, in engem Raum zusammenzuleben, bildet sich zumeist folgende Rangordnung:Es gibt ein oder zwei Obertiere, die die begehrenswertesten Plätze für sich beanspruchen und auch am Futterplatz ein Vorrecht haben, bei mehreren Futternäpfen beanspruchen sie einen für sich allein (Ausnahme bei großem Hunger). Diese absolute Stellung der Obertiere ist aber auch wieder nicht so streng, auch rangniedrigere Katzen können die Ruheplätze benutzen, wenn sie von den Obertieren gerade nicht besetzt sind.
Unterhalb der Obertiere findet sich eine große Zahl anderer Katzen,
eine Art Mittelgruppe, deren Beziehungen keine erkennbare Rangabstufung
haben und sich einfach nach Sym- oder Antipathie regeln. Am Ende gibt
es dann ein oder zwei "Paria"-Katzen, die allen anderen weit unterlegen
sind. Sie haben keine Rechte und werden kaum geduldet und teils von
allen Mitgliedern attackiert.Jedoch ist diese Sozialstruktur nicht
zwingend, es gibt auch Gruppen, in denen es keine Obertiere oder Parias
gibt, oder die Führung durch ein Obertier wechselt.Das
Rangordnungsverhältnis ist auch hier nicht so ausgeprägt, wie bei
Rudel- und Herdentieren.
An den Futterplätzen herrscht absolute Rangordnung zwischen
Obertieren und Mittelgruppe (letztere hat keine absolute Rangordnung in
sich). Über Ruheplätze kann ein Obertier ein Vorrecht haben, dieses
Recht ist aber nicht so absolut, auch rangniedrigere Tiere können diese
benutzen. Auf Wegen aber herrscht wieder die relative Rangordnung und
eine Katze kann, unabhängig von ihrer sonstigen Stellung, das Wegerecht
haben, wenn sie zuerst da war.Laut Leyhausens Beobachtungen besteht ein
Zusammenhang zur Wohndichte. Je überfüllter ein Wohnraum von Katzen
ist, desto weniger relative Hierarchie gibt es und desto mehr steigt
die Gefahr, dass sich ein Tier zum absoluten Despoten entwickelt. Zusammenfassung
Katzen sind solitäre Jäger, also nicht von Artgenossen abhängig, die
Einzelreviere bilden, welche sich aber in der Regel überlappen und eine
gemeinsame Nutzung der Reviere vorkommen lassen. Innerhalb der Reviere
gehen sich Katzen aus dem Weg, außerhalb der Reviere treffen sie sich
zu regelmäßigen kurzen geselligen und freundschaftlichen
Zusammenkünften. In beengten Verhältnissen können Katzen sich anpassen
und in ständigen Gemeinschaften leben. Somit sind sie zwar keine Rudel-
oder Herdentiere, aber auch keine völligen Einzelgänger. In beengten Verhältnissen, wenn mehrere Katzen auf engem Raum zusammenleben, vermischen sich absolute und relative Rangordnung, und es können sich teilweise Oberkatzen, Mittelgruppe und Parias bilden. Aber auch die Stellung dieser Obertiere ist nicht so absolut, wie sonst in absoluter Rangordnung (bei Gruppen- und Herdentieren) beobachtet. |