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Geschichten

Die Wetterauer Farbenlehre

Gruppieren sich Eure Katzen auch nach Farben?

Unsere tun's des öfteren. Hier ist der Beweis: Grau und Grau (Verzeihung, wir meinen selbstverständlich Russisch-Treuherzig-Blau) bzw. Rot und Rot gesellt sich gern ...

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Keiner will's gewesen sein

Verbrecher Und wieder gibt es Erschreckendes aus dem Wetterauer Katzenhaushalt zu vermelden. Noch mehr Verbrechen, und keiner will's gewesen sein!

 

Laurel und Hardy - exklusiv in der Wetterau

Man sagt den Russisch-Blau-Katzen allgemein eine hohe Intelligenz nach. Was heute passierte, lässt uns allerdings vorübergehend daran zweifeln.

Wir befinden uns im Arbeitszimmer, am Schreibtisch sitzend, den Blick auf das Fenster zum verschneiten Garten gerichtet. In der Fensterbank rechts außen sitzt Sita und sieht sehr dekorativ aus. Etwas links von ihr hängt die Gardine, die das Fenster zum größten Teil bedeckt. Alles ist friedlich.

Zwischen Sita und der Gardine sind noch etwa 20 Zentimeter Raum auf der Fensterbank. Ein weiterer Platz in der ersten Reihe wäre also - zumindest für eine kleinere Katze - vorhanden. So etwa muss Billie sich das gedacht haben, als sie mit einem kurzen Anlauf vom Parkett abspringt.

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Polizei!

Hier in der Wetterau haben wir sozusagen "Offenes Wohnen". In der warmen Jahreszeit stehen die Terrassentüren immer offen, wenn wir anwesend sind, und die drei Grazien halten sich gerne auf der (eingezäunten) Terrasse auf. Das lädt natürlich zu Besuchen ein. Mal angenehm, mal weniger.

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Wetterauer Landleben

Liebe Freunde der Wetterau-Katzen,

nach einiger Zeit melden sich unsere drei Grazien wieder zu Wort und zeigen Ihnen atemberaubende Szenen aus dem Wetterauer Landleben. Aber bitte sehen Sie selbst hier.

 

Die Wetterauer Memmen

Mit der Tapferkeit ist es so eine Sache. Hinter einer sicheren Absperrung lassen sich "Feinde" auf der anderen Seite trefflich anknurren. Geht es jedoch mal richtig ans Eingemachte, sieht das schon ganz anders aus.

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Die Heulboje

Maya hat monatelang an einer Strategie zum Durchbrechen menschlicher Konsequenz gefeilt. Mittlerweile beherrscht sie sie bis zur Perfektion.

"Erregung schlechten Gewissens" lautet die Devise. Wer wird gewinnen? Die erziehungsberechtigten Dosenöffner oder die Psycho-Katze?

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Die alte Geschichte: Die Pille muß in die Katze

Sicherlich kennen viele von Ihnen die berühmte Geschichte "Wie man einer Katze eine Pille verabreicht".

Bis gestern konnten wir darüber auch herzlich lachen.

Gestern war es dann soweit: Entwurmung, meine Süßen!

Maya, die Zivilisierte:
Mäulchen auf, Pille rein, haps, fertig. Äußerst souverän.

Sita, die vermeintlich Unwillige:
Mäulchen auf, Pille rein, haps, fertig. (Huch??! Wir hatten mit einem Blutbad gerechnet.)

Billie, die Unerschrockene:
Mäulchen auf, Katze ist weg.

Katze suchen und einfangen.

Mäulchen geht nicht auf. Katze quiekt und strampelt. Katze zerfetzt Herrchens Hemd.

Mäulchen auf, Pille rein, *spuck*, Katze ist weg, Pille liegt auf Teppich.

Katze suchen und einfangen. Mittlerweile sind zwei Menschen vonnöten.

Katze quiekt und strampelt.

Maya ist vom Quieken genervt, kommt angelaufen und zieht Billie eins über. Sie wird sofort empört der Küche verwiesen. Gerade anwesender Besuch wird eingespannt, um die Abschiebehaft in die Tat umzusetzen.

Mäulchen auf, Pille rein, Mäulchen zuhalten, zappelnde Katze festhalten.

Beruhigend mehrere Minuten auf Katze einsprechen. Katze loben. So ein feines Tier.

Katze beruhigt sich und wird freigelassen.

Katze hüpft davon. Pille liegt auf Teppich.

Katze einfangen. Katze zerschreddert Herrchens Schulter.

[wiederhole gesamte Prozedur sechsmal ...]

Irgendwann (leider hatten wir keine Leberwurst im Haus) war es dann geschafft. Uff!

Zum Glück ist Billie nicht nachtragend .....

Es grüßt:

das Wetterauer Lazarett.

 

Silvester in der Wetterau

Knallerei, Raketen ... wie haben Ihre Katzen die Silvesternacht überstanden?

Im Wetterauer Katzenhaushalt bereiten wir uns auf verschiedene Arten auf den Silvesterabend vor.

Für die Katzen haben wir seit dem Vortag beruhigende Bachblüten-Essenz ins Trinkwasser gegeben. Für die Menschen haben wir Champagner, Kerzen und ein leckeres Essen vorgesehen. Das Jahr 2002 war für uns geprägt von Schicksalsschlägen, und wir wollen es gebührend zu Grabe tragen.

Es soll also Rouladen geben. Bei deren Zubereitung jedoch muß Herrchen sich einer sehr aufdringlichen Chefin-Katze erwehren, die nichts sehnlicher zu wünschen scheint als Rindfleisch. Würden wir in der Küche nicht aufpassen, säße Sita schnell auf der Arbeitsplatte!

Hin und wieder knallt es draußen schon. Nun zeigt sich, wer Hasenfuß und wer Held ist.

Schließlich sitzen die Dosenöffner zusammen und frönen ihrem Festmahl, während das Geknalle draußen zunimmt. Dank der ersten, bereits vernichteten Champagnerflasche nehmen sie es nicht so sehr wahr.

Kurz vor Mitternacht wird es jedoch ernst. Die Lautstärke draußen nimmt zu. Wir halten drinnen mit Santana dagegen. Maya zeigt sich als die eigentliche Beschützerin des Haushaltes: Jedesmal, wenn ein Böller explodiert, knurrt sie und rennt los, um den Feind zu töten. (Zum Glück sind die Türen versperrt.) Billie hingegen liegt seit einer Weile unter dem Bett.

Schließlich ist es soweit: Mitternacht ist da, und der Himmel ist übersät von farbigen Klecksen. Die Russen sind weg ... knurrend beziehungsweise ängstlich, aber Sita sitzt entspannt auf der Fensterbank und sieht sich das bunte Treiben an. Wir operieren nach wie vor mit Santana beziehungsweise Robbie Williams, und öffnen den nächsten Champagner.

Kurze Zeit später ist alles vorbei, das Jahr 2002 ad acta gelegt. Und auch die Katzen tauchen bald wieder alle auf. Dieser Jahreswechsel war nicht wirklich schlimm. Und nun wird sowieso bald alles gut.

 

Kampftechniken III - Das Fußmonster

Sagen Sie mal, dürfen Ihre Katzen mit ins Bett? Nicht? Dann würde uns interessieren, mit welchen Mitteln Sie dieses Verbot konsequent durchsetzen.

Unsere dürfen. Und das ist ja auch oft sehr süß. Nur manchmal tut es weh.

Eigentlich gibt es ja kaum etwas Netteres. Man kuschelt sich als Mensch genüßlich in die Decke beziehungsweise aneinander. Und dann kommt noch eine Katze, um gute Nacht zu sagen. Hops, ist sie auf dem Bett, stolziert probehalber einmal auf einem Menschenbein hinunter und wieder herauf, kommt aufs Kissen und schnuppert einem am Gesicht. Dabei ertönt lautes Schnurren. Man kann gar nicht anders, als das Tier zu liebkosen.

Das wird zutreffend als Erfolg der kätzischen Bemühungen ausgelegt, und sie macht es sich nun erst richtig gemütlich. Die Schnurrhaare kitzeln uns im Gesicht. Schließlich wird (je nach Grad unserer Erschöpfung) entweder ein Kompromiß gefunden, der darin besteht, daß die Katze auf dem Kissen drei Millimeter weiter nach außen rutscht, oder aber das Tier wird sachte, aber bestimmt der Schlafstatt verwiesen (wohl wissend, daß es fünf Minuten später wieder da sein wird -- aber da schlafen wir vielleicht schon, wenn wir Glück haben).

So ist das mit gewöhnlichen Katzen. Nicht aber mit Billie, dem Wirbelwind. Oh, das Schmusen und Schnurren findet statt, aber der Nachteil aus menschlicher Sicht ist der, daß Billie dabei zusehends aktiver wird. Die Bettdecke mit ihrer hügeligen Geographie ist nämlich ein ideales Jagdgelände, und so kann es geschehen, daß die eben noch streichelnde Hand plötzlich zur Beute erklärt wird, wenn sie sich in einer Talmulde "versteckt".

Die Decke ist ein idealer Platz zum Anschleichen, Verstecken, Darunterkriechen und um unversehens zuzuschlagen. Das wiederum ist ein Schauspiel, das einem als Dosenöffner genug Spaß macht, um es nicht vorzeitig abzubrechen, nur um so einer trivialen Tätigkeit wie dem Schlafen nachzugehen.

Aber nun wird es richtig gemein. Stellen Sie sich vor, Sie liegen im Bett, den Rücken gegen das Kopfteil gelehnt. Welche Stellung haben Ihre Füße?

Bei normalen anatomischen Verhältnissen sind sie mit den Zehen nach oben gerichtet und beulen die Bettdecke hoch. Ha! Beulen! Beulen in der Bettdecke sind ein untrügliches Anzeichen, daß sich hier ein Feind versteckt. Beulen werden attackiert.

Das ist zunächst nicht weiter schlimm, außer daß man öfters mal neue Bettwäsche kaufen muß. Nur ist Billie ja auch nicht blöd. Recht schnell hat sie erkannt, daß ein Beulen-Angriff von oben durch die Bettdecke uneffektiv ist, da die Beute nicht schnell genug erlegt wird.

Aber es gibt ja noch einen anderen Weg zum Feind. Flugs ist ein Weg unter der Bettdecke hindurch gebahnt und -- AUA! Jetzt sind die Zehen dran. Das Zurückzucken des Fußes wird als versuchte Flucht gewertet und die Tötungsanstrengungen verdoppelt. Bis die Decke panisch vom Bett geworfen und die Katze ergriffen ist, ist es ihr bereits gelungen, markante Kratz- und Beißspuren zu hinterlassen. O weh. Wieder einmal ist Rasierwasser und Wundsalbe angesagt.

Es ist immer das gleiche. Und wissen Sie was? Wir wissen es jedesmal vorher. Und wir lassen es trotzdem geschehen. Weil es so schön gruselig ist, von dem kleinen Fußmonster überfallen zu werden. Und weil es so gut tut, wenn der Schmerz nachläßt.

 

Kampftechniken II - David und Goliath

Schaukämpfe gehören zum Alltag im Wetterauer Katzenhaushalt. Immer mal wieder müssen die Verhältnisse geklärt werden.

Besonders wichtig scheint das zu sein, wenn Frauchen oder Herrchen nach kurzer Abwesenheit wieder die Wohnung betreten. Dosenöffner! Seht nur, wie adrett wir uns prügeln!

Wäre dies ein Boxring, so würde der Zeremonienmeister vielleicht auf die folgende Weise den Showdown einleiten:

"Zu meiner Linken: Bisher ungeschlagen -- mit beachtlichem Kampfgewicht -- der Champion -- Siiiiitaaaaaaaaaaa!
Und zu meiner Rechten, die Herausforderin, nur ein Fliegengewicht, aber wieselflink und keck -- Biiiillllliiiiiiiiieeee!"

Und so kann der Kampf beginnen. Maya hält sich, wie üblich, zurück und verfolgt das ihr etwas proletarisch anmutende Geschehen mit großen Augen und abschätzigem Gesichtsausdruck.

Los geht's! Billie zischt millimeterdicht an Sitas Gesicht vorbei und rennt um die nächste Ecke. Sita, die damit beschäftigt war, gelangweilt einen Fuß vor den anderen zu setzen, ist irritiert und hält kurz inne. Billie lauert hinter der Ecke, späht herüber und setzt zu einem neuerlichen Tiefflug an. Erneut rast sie um Haaresbreite an Sita vorbei. Daß sie dabei mit ihrem Kopf Sitas Schwanz streift, ist genau kalkuliert und beginnt Sita nun doch zu ärgern. Ein schimpfendes "Ä!" ertönt.

Billie könnte nun gewarnt sein. Aber der Sinn der Sache ist ja gerade, die Große zu provozieren. Erneut nimmt sie Anlauf und rast auf Sita zu. Diesmal hat sie jedoch die Rechnung ohne die Vorderpfote gemacht, die Sita blitzschnell hebt und ihr so den Fluchtweg versperrt. Kollision!

Ein schwarz-graues Bündel tobt nun auf dem Boden herum. Acht Beine und zwei Schwänze scheinen fast verknotet; man kann kaum an der Farbe ausmachen, wo die eine Katze aufhört und die andere beginnt. Fellbüschel fliegen umher, untermalt von Kampfgeräuschen wie "Ä! Ä!" und "Iiiiik! Iiiiiiiik!"

Die Sicht klart allmählich auf. Wir sehen eine schwarze Champion-Katze auf dem Boden sitzen, sehr aufrecht, sehr erregt, die Augen zu zornigen Schlitzen verengt. Zwischen ihren Beinen liegt die kleine graue Provokateurin auf dem Rücken, bittet mit "Iiik"-Rufen um Gnade und stemmt ihre Beine der übermächtigen Chefin entgegen, um weitere Schläge von sich abzuhalten.

Es setzt noch die eine oder andere Ohrfeige, bis Sita der Ansicht ist, daß die Bestrafung nun ausreichend schmerzhaft war. Langsam dreht sie sich weg und geht einen Schritt zur Seite.

Die augenscheinlich eben noch schmerz- und angstverkrümmte Billie ist mit einer eleganten Bewegung wieder auf den Beinen. Eine Sekunde bleibt sie regungslos stehen und fixiert Sita. Dann hebt sie eine Pfote und -- haut Sita auf den Schwanz!

Auf Sitas Schrei folgt ein Blitzstart, und die wilde Jagd geht wieder los. Über Stock und Stein hetzen die beiden galoppierend durch die Wohnung. Irgendwann hat Sita Billie wieder eingefangen, und eine neue Prügelei nimmt ihren Lauf. Auch diese endet mit einer vorgeblich unterwürfigen Billie, die so tut, als gestände sie ihre Niederlage ein, nur um gleich darauf Sita wieder irgendwohin zu zwicken. Man kann ihre Gedanken lesen: "Komm doch, Alte!"

So geht das eine Weile, bis beide Kontrahentinnen völlig erschöpft sind. Die Dosenöffner applaudieren pflichtschuldig, denn sie wissen, das Schauspiel wurde nur zu ihrer Belustigung aufgeführt. Ganz schön geltungsbedürftig, unsere Tiere. Echt.

 

Frühstücksfernsehen

Es ist sehr früh. Zu früh. Eigentlich noch mitten in der Nacht.

Ein Wecker fängt an zu piepen. Das verdammte Ding will gar nicht mehr aufhören. Die Unfähigkeit Ihres Erzählers, ihn nach angemessener Zeit abzuschalten und sich fröhlich aus den Federn zu erheben, trägt ihm ein Schütteln und einen unwilligen Kommentar von der besseren Hälfte ein.

Ugh. Es geht wohl nicht anders. Die Welt erwartet uns. Es ist dunkel. Toll.

Allmählich setzt so etwas wie Orientierungssinn ein. Die Küche wird fast fehlerfrei angesteuert und mit langsamen, vorsichtigen Handbewegungen Kaffee aufgesetzt. Die Katzen liegen komatös irgendwo in der Wohnung auf zweifellos sehr gemütlichen Plätzen, während der Ernährer sich nicht minder bewußtlos ins Badezimmer schleppt.

Brrr, ist das kalt um diese Jahreszeit. Ein Heizlüfter wird aktiviert. Mittels einer Ladung Wasser ins Gesicht versucht Ihr Erzähler, seine Sinne für die bevorstehende Prozedur zu schärfen.

Dusche betreten. Wasserhahn öffnen. Es prasselt auf den Kopf.

Bereits nach wenigen Minuten ist die Wahrnehmungsfähigkeit weit genug gediehen, daß wir feststellen können: Wir sind nicht alleine.

Wie üblich, hat Sita sich im Badezimmer eingefunden, angelockt vom Geräusch des Heizlüfters, das sie sehr zutreffend mit der Herstellung angenehmer Temperatur verbindet. In angemessener Entfernung vor dem Gerät kann man es so, auf einen Badteppich gekuschelt, außerordentlich gut aushalten.

Ebenfalls zur Stelle ist Maya, die auf dem Toilettendeckel ihren Platz eingenommen hat. Von dort aus hat man gute Sicht auf die Dusche und kann den morgendlichen Säuberungsaktivitäten des Dosenöffners von der ersten Reihe aus beiwohnen.

Den Platz vor dem Spiegel, den Ihr Erzähler zum Rasieren zwingend einzunehmen hat, muß er sich erkämpfen. Widerwillig rutscht Sita etwas zur Seite.

So verfolgen die beiden Damen gespannt, was das heutige Morgenprogramm zu bieten hat.

In der Zwischenzeit ist Billie auch kein Kind von Traurigkeit und nutzt die Abwesenheit der Konkurrentinnen, um zu Frauchen aufs Bett zu springen und diese darauf hinzuweisen, daß der Tag angebrochen ist. Statt weiter am Kissen zu horchen, könnte sie doch einmal bemerken, daß eine laut schnurrende Katze sie umkreist und auf ihr herumhüpft? Es ist Schmusezeit!

Nach solcherlei Zerstreuungen und dem Zuführen einer gewissen Menge Koffeins ist Ihr Erzähler nach einer Weile annähernd in der Lage, das Haus zu verlassen, um dem täglichen Katzenfutter-Erwerb nachzugehen. Erneut nimmt er sich vor, schnellstmöglich in den Interessenverband der Morgenmuffel einzutreten.

 

Abenteuer Terrasse

Ausguck, Terrain für das Abhalten von Audienzen, Sportplatz und ein Plätzchen, um immer wieder Neues zu beobachten: Die Terrasse ist der angesagteste Platz unserer Wohnung.

Wir wohnen im Erdgeschoß. Das bringt es in unserem Falle glücklicherweise mit sich, daß wir eine Terrasse unser Eigen nennen. Aus bekannten Gründen sind unsere Besitzerinnen keine Freigänger. Terrassentechnisch stellen wir das sicher, indem ein Katzennetz dieselbe großflächig einschließt. Das Netz wurde durch unsere hauptamtliche Prüferin Sita den härtesten denkbaren Belastungsproben unterzogen und trägt mittlerweile das Wetterau-Katzen-Gütesiegel.

Maya und Billie kennen die freie Wildbahn nicht und empfinden die Terrasse als hochwillkommene Bereicherung. Und auch Sita hat mittlerweile fast begonnen, die Welt jenseits des Netzes als den eigentlichen Käfig zu sehen.

Die Russen haben Herrchens alten Schaukelstuhl, der sich in einer Ecke der Terrasse neben weiteren Sitzmöbeln und einem imposanten Kratzbaum befindet, zu ihrem Lieblingsplatz auserkoren. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick in den Garten und ist andererseits vor Überraschungen gefeit.

Es werden jedoch noch eine Menge weiterer Entfaltungsmöglichkeiten geboten. Das immerhin zwei Meter sechzig hohe Netz stellt eine ideale Klettermöglichkeit dar. Und auch das Erlernen weiterer beachtlicher Fähigkeiten fällt leicht, wenn man in dieser Höhe quäkend feststellen muß, daß es nicht weitergeht, es bis zum Boden jedoch zu tief für einen direkten Sprung ist: Unsere Katzen beherrschen das kontrollierte Abseilen perfekt!

Desweiteren bietet sich hier die Gelegenheit, Besuch zu empfangen. Dieses Wohnviertel unseres Dorfes beherbergt eine Vielzahl von Samtpfoten, und immer wieder kommt eine vorbei, um Hallo zu sagen. Besonders treu ist Nachbars Kater Rambo. Er trägt diesen Namen angesichts seines äußerst stabilen Körperbaus und der etwas kurz geratenen Beine nicht ganz zu unrecht. Mindestens einmal am Tag besucht er unsere Grazien und weist darauf hin, daß es ja die inneren Werte sind, die zählen. Bislang scheint er damit Erfolg zu haben: sie mögen ihn.

Unübertroffen sind die Tage des ersten Schneefalls im Spätherbst. Das kalte, weiße Zeug treibt unsere Damen schier zur Raserei. Man kann darin herumtollen und herrlich über die eigenen Pfotenabdrücke erschrecken. Man kann aufgetürmtem Schnee, der sich in den Quermaschen des Netzes angesammelt hat, einen Stups geben, dadurch eine Lawine auslösen und sich über diese erneut entsetzlich erschrecken. (Besonders, wenn sie auf den eigenen Kopf niedergeht.) Und man kann sachte herabfallende Schneeflocken nach Herzenslust jagen und dann zerkauen.

Und schließlich ist eine Terrasse, sofern beide darauf führende Türen geöffnet sind, unverzichtbar für das an anderer Stelle ausführlich beschriebene Speedy-Gonzalez-Spiel. Erst die Terrasse macht die Rund-Arena vollständig und gewährleistet das Erreichen der Höchstgeschwindigkeit.

 

Hier helfen alle im Haushalt mit

Wir sind modern und emanzipiert. Hier gibt es keine "Hausfrau", die alleine für den ganzen Mist zuständig ist. Alles wird demokratisch geregelt.

Und auch die Katzen liegen nicht auf der faulen Haut.

Das Prinzip "Arbeitsteilung" regiert diesen Haushalt. Dabei ist der männliche Part natürlich vornehmlich fürs Grobe zuständig: Straße fegen, Müll hinausschleppen und dergleichen. Bis zur Anschaffung einer Spülmaschine hat Ihr Erzähler gemeinsam mit seiner besseren Hälfte auch diese lästige Arbeit erledigt. (Die Spülmaschine ist die beste Erfindung seit der Mondrakete. Ehrlich.)

Wir sind der Meinung, das soll so sein. Jedenfalls ist es dem Klima in einer Lebensgemeinschaft zuträglich, wenn jeder seinen Beitrag leistet. Und das gilt natürlich auch für die Katzen.

Nun sind unsere vierbeinigen Eigentümerinnen keine Freigänger. Somit ist es ihnen verwehrt, ihren Anteil an der Nahrungsversorgung zu übernehmen. Also sind sie gezwungen, sich Alternativen zu überlegen.

Nehmen wir einmal als Beispiel die regelmäßige Reinigung der Wohnung. Hierbei kommt mehrmals pro Woche schweres Gerät zum Einsatz. Es handelt sich dabei um einen großen, brummenden technischen Apparat, der unter anderem der Beseitigung von Katzenhaaren dient.

Während unsere Katzenpopulation früher einstimmig der Meinung war, das laute, böse Tier sei nicht ganz geheuer und vielmehr ein Grund, schnell das Weite zu suchen, hat zumindest bei Sita offenbar ein Sinneswandel stattgefunden. Die frühere Mischung aus Angst und Faszination hat der Neugier Platz gemacht.

Gutgelaunt läuft sie mitunter hinter dem Reinigungspersonal her und deutet sogar hier und da auf eine Stelle hin, die der Säuberung bedarf.

Es gibt aber noch andere Tätigkeiten, bei denen sich alle Tiere sofort und freiwillig beteiligen. So können wir uns grundsätzlich ihrer Unterstützung sicher sein, wenn das Bett zu machen ist. Das anspruchsvolle Aufschütteln von Decken etwa ist einem gewöhnlichen Dosenöffner ja kaum alleine zuzutrauen.

So wird munter auf dem Bett hin- und hergesprungen, um die Menschen anzuleiten, wie sie denn die Decke zu plazieren haben. Der korrekte Sitz derselben wird anschließend überprüft, indem daruntergekrochen wird.

Wird das Bett gar neu bezogen, gibt es noch viel mehr potentielle Fehler, auf die der unbedarfte Mensch aufmerksam gemacht werden muß. Eine Vielzahl von Anweisungen wird erteilt, nachdem der Stapel frischer Bettwäsche gründlich inspiziert wurde. Die Geographie des Bettes ist zum Beispiel jedes Mal neu zu vermessen. Dies erfolgt durch gezielte Sprünge.
Ebenso hat der bettbeziehende Mensch zu beachten, daß die zunächst achtlos zur Seite geworfene alte Bettwäsche ordnungsgemäß im Wäschekorb unterzubringen ist. Das nötige Augenmerk wird durch hoffnungslose Verstrickungen in Bett- und Kissenbezügen hierauf gelenkt.

Sie sehen: Bei uns gibt es keine Faulenzer. Hier packt jeder gutgelaunt mit an. Und die gemeinsame Arbeit macht zudem auch noch Spaß.

 

Bin ich ein Genie oder ...

... habe ich nur 39 Jahre gebraucht, um etwas Fundamentales zu erkennen?

Auf die Gefahr hin, mich zum Gespött zu machen: Ich bin der Meinung, soeben eine bahnbrechende Entdeckung gemacht zu haben.

Wir haben in unserer Wohnung neben Gardinen auch einige Raffrollos. Diese müssen selbstredend von Zeit zu Zeit in die Waschmaschine. Da das Abnehmen und Aufhängen eine (laut besserer Hälfte) grundsätzlich technische Tätigkeit ist, obliegt es mir.

Ich gebe zu, ich drücke mich darum, solange das irgendwie möglich ist. Ich mag es nicht. Irgendwann kommt jedoch die eindeutige Anweisung: "Klaus, die Rollos sind mehr als fällig. Du kannst das doch! Mach jetzt mal."

Oweh. Es ist mal wieder so weit. Ich hasse die verdammten Dinger. Die haben solche Strippen, an denen man sie hochziehen kann, und, das ist der springende Punkt: sie verheddern sich in der Waschmaschine!
Besonders wenn man zwei Rollos gleichzeitig wäscht. Das wird richtig fies.

Das Abmachen und Waschen ist ja noch der einfache Teil. Wenn es aber daran geht, die Rollos rauszuholen und wieder aufzuhängen, werde ich von der besagten besseren Hälfte mit einem etwas gemeinen Grinsen losgeschickt, weil sie genau weiß, daß ich die nächste Stunde damit beschäftigt sein werde, diese blöden Fäden zu entheddern.

Billige Tricks wie Zusammenkleben der aufgerollten Strippen-Stränge mit Tesa-Krepp helfen, ehrlich gesagt, nur bedingt.

"Gordischer Knoten" kommt mir da regelmäßig in den Sinn. Ach, käme doch nur Alexander der Große mit einem geeigneten Schwert vorbei. Oder ob man vielleicht mit der Küchenschere ... ?

Ab heute ist alles anders!

Ein Geistesblitz durchfuhr mich an diesem Abend. Ich bin völlig begeistert und kann meine Erfindungsgabe selbst kaum hoch genug einschätzen.

Klaus, es ist so einfach: Pack die Rollos in Kissenbezüge, bevor du sie in die Waschmaschine steckst!

Kein stundenlanges Entwirren mehr. Keine hämischen Kommentare mehr. Ha! Kein Wunder, daß der Fortschritt unserer Zivilisation hauptsächlich von Männern vorangetrieben wird!

So. Dies ist meine heutige Entdeckung, beruhend auf männlicher Intuition und ehemals absolvierter Ingenieurs-Ausbildung.

Sagen Sie jetzt bitte nicht, daß Sie das immer schon so gemacht haben mit den Rollos. Sonst garantiere ich für nichts.

 

Die Klette

Ach du liebe Zeit.

Hier ist vielleicht was los. Ihr Erzähler weiß nicht mehr ein noch aus. Sita geht es ähnlich. Wir sind am Ende unserer (zugegeben beschränkten) Weisheit!

Die geneigten Leser unserer kleinen Kolumne wissen, daß Ihr Erzähler für ein paar Tage Strohwitwer ist. Auch Billie ist abtrünnig und treibt sich gemeinsam mit Frauchen in Norddeutschland herum. Die Stellung wird hier durch Sita, Maya und Herrchen gehalten.

Schon gestern, Sie erinnern sich, sind die beiden treuen Damen unserem einsamen Helden sehr zugetan gewesen.

Heute jedoch schießt Maya sozusagen den Vogel ab.

Wir müssen an dieser Stelle ein kleines Eingeständnis machen. Ihr Erzähler hat neben der Leidenschaft für die geliebten Vierbeiner empörenderweise noch das eine oder andere Hobby. Das wichtigste besteht darin, sich einmal in der Woche mit einigen zweifelhaften Gestalten in einem engen Raum zu versammeln und mit Hilfe von allerlei Elektrik diverse Instrumente sowie seine Stimmbänder zu malträtieren. Dabei entsteht ziemlich laute Musik. Der Donnerstag ist als "Krach-Tach" fest im Kalender vermerkt.

(Am Freitag kommt dann von den Arbeitskollegen regelmäßig der Kommentar: "Joe Cocker ist heute mal wieder nichts gegen dich.")

Bezogen auf die augenblickliche Lage bedeutet das konkret folgendes:

Frauchen ist sowieso nicht da. Herrchen hat heute früh um sieben das Haus verlassen, um Katzenfutter heranzuschaffen.

Nach dieser unvermeidlichen Tätigkeit ist er sträflich nicht sofort nach Hause gekommen, sondern zu seinen illustren Kumpanen gefahren, um laute Geräusche zu erzeugen.

So gegen elf Uhr abends beliebt es ihm dann schließlich, gutgelaunt aufzukreuzen und so zu tun, als wäre nichts Besonderes.

Nun sind Sita und Maya nicht etwa beleidigt. Im Gegenteil, wir werden auf das Herzlichste begrüßt. Schnell wird eine Dose geöffnet, und nun kennt die Begeisterung keine Grenzen mehr.

Hastig schlingt Maya ihr Abendessen hinunter und kommt gleich wieder angerannt. Ooooh Herrchen, den ganzen Tag waren keine Menschen hier, denen ich meine Liebe zeigen konnte. Jetzt bist du dran.

Und das meint sie ernst.

Keinen Schritt kann Ihr Erzähler tun, ohne daß Maya an seiner Seite ist. Laut wird er darauf hingewiesen, daß jetzt dringend geschmust und gespielt werden muß. (Eine Pflicht, die wir nur zu gerne erfüllen.)

Der Flur kann nicht durchquert werden, ohne von Maya angesprungen zu werden. Sie besteht darauf, eine Inspektion der Wohnung auf Herrchens Schulter zu absolvieren.

Schließlich setzt unser Held sich an den Computer, um einmal nachzusehen, was in der Welt so passiert ist, während er sich in schlecht beleuchteten Räumen mit beachtlicher Geräuschkulisse aufgehalten hat.

Es gibt kein Entkommen. Schwupp, sitzt Maya auf seinem Schoß und wird natürlich pflichtschuldigst mit angemessener Zärtlichkeit behandelt.

So geht das eine Weile, bis Maya entdeckt, daß Sita sich auf dem benachbarten Stuhl zusammengerollt hat. Und nun ist Sita fällig.

Maya will abgeleckt werden. Jetzt sofort. Ausgiebig. Sie drängelt ihren Kopf gekonnt an Sita heran, was bei dieser den üblichen Leckreflex auslöst. Eine Zeit lang geht das gut, bis Sita schließlich genug hat und anfängt zu schimpfen. Maya ist das völlig egal, sie drückt ihr Köpfchen weiter gegen Sita. Ein Schrei und eine Ohrfeige sind das Resultat. Sita ist beleidigt und geht weg.

Maya ist jedoch nicht im Geringsten an Sitas Befindlichkeit interessiert; sie will einfach nur weiter am Kopf geleckt werden und rennt hinterher. Mit äußerster Penetranz wird die mittlerweile schon sehr genervte Sita belagert. Schließlich ist die Toleranzgrenze überschritten, und Maya bezieht Prügel.

Nachdem Maya, solchermaßen belehrt, den Rückzug angetreten hat, ist aus verständlichen Gründen Herrchen wieder an der Reihe, denn es hat noch nicht genug Zärtlichkeit stattgefunden. Unser Held wollte aber eigentlich ins Bett gehen, um für den nächsten Zyklus des Katzenfuttererwerbs etwas ausgeruht zu sein: Hilfe!

So werden wir uns am nächsten Tag eben wieder bei halbem Bewußtsein ins Büro schleppen. Nicht nur mit der für einen Freitag üblichen Rockmusik-bedingten Übermüdung, sondern schlimmer, aber immerhin mit einem guten Gewissen. Wir haben unsere Pflicht gegenüber den Vierbeinern erfüllt.

 

Billie on Tour

Ihr ergebener Erzähler sitzt leicht depressiv zuhause. Die Hälfte seiner Frauen hat ihn verlassen.

Iris ist nämlich zu ihren Eltern gefahren -- und hat Billie mitgenommen! Oje, ist das heute ruhig hier. Der kleine Wildfang fehlt ihm richtig. Von Iris einmal ganz abgesehen.

Doch halt ... da sind ja immer noch Sita und Maya. Und die beiden tun alles, um Herrchen aufzumuntern. Sie weichen ihm seit Stunden nicht von der Seite. Um ihn herum, auf dem Katzenbaum, auf dem benachbarten Stuhl: sie entfernen sich nicht weiter als einen Meter von ihm. Er beginnt wieder Mut zu fassen.

Spätestens nachdem Maya auf seinen Schoß gesprungen ist und darauf bestanden hat, jetzt sofort mindestens zehn Minuten lang durchgeschmust zu werden, ist die Welt wieder halbwegs in Ordnung.

Schließlich ruft Iris an und meldet die glückliche Ankunft im hohen Norden. Sie ist voll des Lobes über Billie und bezeichnet sie als geborene Autofahrerin.

Das verhält sich nun so:

Manche Katzen haben ein, sagen wir einmal, nicht sehr ausgeprägtes Mobilitätsbewußsein, zumindest wenn es um die großen brummenden Transportmittel geht.

Sita etwa kann das überhaupt nicht leiden, tut dies auch lautstark kund und versucht ständig, aus dem Korb auszubrechen. Vor Jahren, auf der Strecke Hannover-Mainz, ist ihr das auch einmal kurz vor dem Ziel gelungen, indem sie den Weidenkorb solange systematisch mit Zähnen und Krallen bearbeitete, bis eine Fluchtmöglichkeit offenstand. Die letzten fünf Kilometer dürften die anstrengendsten der ganzen Fahrt gewesen sein.

Maya hingegen äußert beim Autofahren keinen Protest, sondern wählt die innere Emigration. Ab und zu sieht sie den Fahrer aus dem Korb heraus vorwurfsvoll an und sagt einmal leise "Piep". Da bekommt man Schuldgefühle, sage ich Ihnen.

Auftritt Billie. Mitsamt Katzenkorb auf dem Beifahrersitz angeschnallt, die Öffnung halb zu Frauchen gerichtet, damit die Kommunikation während der Fahrt gewährleistet ist.

Wie Frauchens glaubhafter Schilderung zu entnehmen ist, hat Billie jedoch bereits nach wenigen Metern das Interesse an Fahrersitz, Lenkrad und Lenkerin verloren und blickt geradeaus. Sie ist alles andere als ängstlich oder verärgert, sondern konzentriert sich auf die Strecke und versucht ständig, über das Armaturenbrett hinwegzuspähen. Vermutlich, um den einen oder anderen Tip zur Fahrweise abzugeben.

Ihr Erzähler vermutet außerdem insgeheim, daß sie den Autoatlas aufgeschlagen vor sich auf dem Sitz liegen hatte und Frauchen gelotst hat.

Manche Katzen sind eben die geborenen Kopiloten. Was Billie wohl erzählt, wenn sie von ihrer Reise zurückkehrt?

 

Kampftechniken

Himmel, was sind wir heute wieder zerschreddert. Hände und Unterarme weisen tiefe Kratzer und Bißspuren auf. Besonders bei Iris.

Daß wir nicht auf der Intensivstation behandelt werden müssen, ist ein Wunder.

Warum tun wir uns das eigentlich an?

Weil es furchtbar Spaß macht.

Ehrlich.

Billie ist immer noch Kind genug, um einen ganzen Abend lang ihren eigenen Schwanz zu jagen und sich dabei nach Herzenslust im Kreis zu drehen. So etwas Verrücktes und gleichzeitig Süßes anzuschauen, wirkt einfach herzerwärmend.

Und wie Dosenöffner nun einmal sind, wollen sie an der Freude und Lebenslust ihrer vierbeinigen Besitzer teilhaben. Mal im Ernst, was hat das Leben uns sonst Besseres zu bieten?

Also versuchen wir, am Spiel teilzunehmen. Und zu unserer großen Freude geht Billie darauf ein!

Eine menschliche Hand kriecht über das Sofa. Langsam, tipp tipp tipp. Plötzlich bewegt sie sich schneller -- wusch -- und sucht sichere Deckung unter einem Kissen.

(Äußerste Aufmerksamkeit seitens Billie. Die Augen sind riesengroß und schwarz, der Körper in ganzer Länge auf das Sofa gepreßt.)

Die Hand linst kurz unter dem Kissen hervor und zieht sich sofort wieder in die Deckung zurück.

(Billie zuckt mit dem ganzen Körper und ist aufs Äußerste angespannt.)

Die Hand, sich in trügerischer Sicherheit wiegend, verläßt das Kissen und läuft -- tipp, tipp, tipp -- sorglos über das Sofa.

BANZAI! Die Jägerin macht einen beherzten Satz und stürzt sich auf die Beute. Zähne und Klauen werden in das nichtsahnende Opfer geschlagen. Letzteres wehrt sich verzweifelt und erreicht mit letzter Kraft das rettende Kissen. Billie malträtiert derweil ihren eigenen Schwanz, um Energie abzubauen.

Die Hand versteckt sich. Billie lauert. Ha. Der Feind ist ausgemacht, und er hat nicht mehr lange zu leben.

Ein Finger lugt vorsichtig unter dem Kissen hervor, wackelt mal in die eine, mal in die andere Richtung. Gerade noch rechtzeitig zieht er sich wieder zurück. Billie beißt ins Kissen, wieder und wieder, während dieses wilde Zuckungen des darunter versteckten Opfers offenbart.

Pssst. Hier ist niemand. Stille kehrt ein. Hier ist keine Beute. Bewegungslos harrt die menschliche Hand im Versteck aus.

Ausbruchsversuch! Die Hand verläßt den Unterschlupf und versucht, sicheres Terrain zu erreichen, hat aber nicht mit der gewieften Jägerin gerechnet, die sich nunmehr mit allen Gliedmaßen sowie Maul auf das Opfer stürzt und alles daran setzt, einen schnellstmöglichen Tod herbeizuführen.

Billie wendet nun -- wie auch schon bei den anderen Raubtieren unseres Haushaltes beobachtet -- den sogenannten Strampelbiß an. Die Vorderpfoten halten das Opfer fest in den weit ausgefahrenen Krallen, zur Sicherheit werden außerdem spitze Zähne erbarmungslos hineingeschlagen, während die Hinterbeine in regelrechter Raserei die Beute wieder und wieder zerfetzen.

Am Ende steht auf Seite der Dosenöffner üblicherweise eine Behandlung mit Rasierwasser und Wundsalbe. Das Gejammer ist groß. Aber würden wir darauf verzichten?

Niemals. Dafür ist das ganze Schauspiel einfach zu süß.

Alles hat seinen Preis. Und die Krankenkassenbeiträge werden bald auch noch erhöht.

 

Fernsehen bildet

Maya sitzt schon wieder vor der Glotze.

Wir betreiben hier ein Weiterbildungsprogramm für interessierte Vierbeiner. Sie hat sich freiwillig gemeldet.

Heute abend kommt im Fernsehen eine Dokumentation über die Historie des Zusammenlebens von Katzen und Menschen, angefangen im alten Ägypten. Natürlich sind jede Menge Katzen aller Farben und Größen, jung und alt, zu sehen.

Interessant auch, daß es dem Filmteam gelungen ist, das Jagdverhalten von Katzen und ihre Beutetiere auf Zelluloid zu bannen.

Jedenfalls haben wir unsere domestizierte Katzenpopulation zusammengerufen, um gemeinsam dem Ereignis zu frönen. Die Sofas sind freigegeben. Alle sind gekommen.

Nachdem Maya erkannt hat, was da auf der Mattscheibe flimmert, verzichtet sie jedoch wie gewohnt auf einen kuscheligen Platz und nimmt stattdessen auf dem Boden etwa einen Meter vor dem Fernseher ihre Position ein. Dabei reckt sie den Kopf hoch und verfolgt das Geschehen sehr interessiert.

Wann immer Katzen auf dem Bildschirm zu sehen sind, aber auch so lustige Gesellen wie Mäuse oder Vögel, gerät sie schier außer sich. Maya bebt vor Erregung, wagt aber nicht, ihren Platz zu verlassen. Man könnte ja etwas verpassen. Hin und wieder streckt sie sich hoch, tatscht mit ihren Vorderpfoten auf die Bildröhre.

(Das Lieblingsprogramm sind Tierfilme. Neulich war Maya sogar von einer Dokumentation über Dinosaurier ähnlich gefesselt.)

Billie hat weniger Interesse. Sie macht es sich lieber in Frauchens Kniekehle bequem und schließt die Augen. Sita schließlich lehnt diesen neumodischen Kram ab, rollt sich zusammen und ist nicht mehr auf dieser Welt.

Die einzige Ausnahme ist eine Filmszene, in der zwei Kater sich anschreien und ein Höllenspektakel veranstalten. Plötzlich rennen alle drei Katzen aus dem Zimmer. Besser in sicherer Entfernung abwarten, wer als Sieger aus der Auseinandersetzung hervorgeht.

Maya ist allerdings bald wieder da, auf ihrem Platz vor dem Fernseher, und sieht sich den Film gebannt bis zu Ende an.

Das alles mag ein wenig streberhaft klingen. Allerdings ist Maya anschließend klar im Vorteil, wenn wir die vermittelten Inhalte abfragen. Denn: Keine Weiterbildung ohne Lernkontrolle.

 

Besser als Speedy Gonzalez

Wir alle kennen diese Comics und Zeichentrickfilme, in denen die Figuren viel rennen.

Üblicherweise beginnt ein solcher Sprint damit, daß die Beine ein paar Mal durchdrehen und sich die Figur dann, ein Rauchwölkchen hinterlassend, zischend aus dem Bild entfernt.

Unsere Protagonisten sind Katzen. Und wir haben Parkettboden.

Neben Spiel-Anfällen haben Katzen auch Vor- und Nach-Verdauungs-Phasen, in denen die kätzische Natur es zu verlangen scheint, sich mit höchster Geschwindigkeit fortzubewegen und scheinbar vollkommen sinnlos erst in die eine, dann in die andere Richtung zu rennen.

Wir nennen das ganz profan "Kack-Anfälle".

In solchen Phasen sind die Tiere, sagen wir es einmal ehrlich, vollkommen ausgetickt. Sie rasen wie die Bekloppten kreuz und quer durch die Wohnung und überqueren im Tiefflug Möbelstücke wie Tische und Kommoden, deren Oberfläche zu betreten normalerweise streng verboten ist.

Alles egal. Es gibt kein Halten mehr. Die Katze muß rennen.

Trifft man dann zufällig im Flur auf eine Katze, die, solchermaßen getrieben, gerade durch eine Einflugschneise hereinkommt, so erstarren üblicherweise Katze und Mensch in der Bewegung.

Das Tier scheint gelähmt vor Überraschung, die Augen geweitet vor Schreck. Oh! Ein lebendes Objekt in meiner Flugbahn! Scheint ein Dosenöffner zu sein! Was soll ich, um Himmels willen, tun!

Und nun kommt der lustige Teil, bei dem sich erwachsene Menschen zu kleinen Kindern zurückentwickeln und den ganzen Ernst ihres gereiften Daseins für eine Sekunde vergessen.

Ein gemeines Grinsen erfaßt unser Gesicht, ein häßlicher Gedanke unser kleines, schwarzes Gehirn. Wir machen einen Schritt nach vorne, heben die Arme, die Hände grauslich zu Klauen geformt, und sagen "BUH!".

Hundertprozentige Erfolgsgarantie. Speedy Gonzalez ist nichts dagegen.

Die Katze erschrickt sich augenscheinlich zu Tode und legt einen Alarmstart aufs Parkett. Da letzteres recht glatt ist, drehen die Beine ein, zwei Sekunden durch, bevor die physikalischen Gesetze der Haftreibung greifen und (ohne Erlaubnis des Towers) eine ballistische Startbahn eingeschlagen wird.

Wenn die Terrassentüren geöffnet sind, gewinnt das Spiel eine berechenbare Komponente. Dann nämlich wird die Wohnung bei nächster Gelegenheit in Richtung Terrasse verlassen, diese mit Lichtgeschwindigkeit überquert, hinein durch die andere Tür, wieder in den Flur -- Sie ahnen es. Der Mensch hat diesen Weg vorhergesehen, sich um 180 Grad gedreht, und erwartet das Unbekannte Flugobjekt bereits ...

Nach einigen solcher Zyklen wird das Tier für seinen sportlichen Einsatz ausdrücklich gelobt und überlegt sich laut schnurrend neue Varianten für die Zukunft.

 

Billie und die Handwerker

Wir haben einen fürchterlichen Verdacht.

Könnte es sein, daß Billie einen heimlichen Deal geschlossen hat?

Seit einigen Tagen sind -- vornehmlich im Schlafzimmer -- größere Zerstörungsaktivitäten an der Tapete im Gange. Ganze Stücke werden sorgsam abgeschält und dann regelrecht zerschreddert.

Der Übeltäter ist bereits identifiziert. In einem Moment der Unachtsamkeit prüfte Billie nicht, ob sie sich alleine im Zimmer befand, bevor sie auf die Tapete losging.

Und das ist schon ein Schauspiel, wenn man es mal ganz wertfrei und unbeeinflußt von den üblichen profanen Dosenöffner-Gedanken (Huch! Kaputt! Kostet Geld! Wer repariert das!) betrachtet:

Billie lauert versteckt in einer Ecke, kommt plötzlich mit Überschallgeschwindigkeit auf die Wand zugeschossen, springt kurz vor der Kollision senkrecht hoch und zieht eine krallenbewehrte Pfote kräftig nach unten durch.

Nachdem sie das ein paar Mal getan hat (überraschte Aufschreie und Standpauken scheinen bislang wenig zu helfen), baumelt ein Fetzen Tapete herunter. Die Arbeit wird nun systematisch solange fortgesetzt, bis der irgendwann erheblich größere Fetzen schließlich am Boden liegt.

Beim Ergründen dieses Verhaltens sind wir noch nicht schlüssig, welche der folgenden beiden Theorien richtig ist:

1. Billie bastelt sich ein Spielzeug. Daß die Tapete dabei in Mitleidenschaft gezogen wird, ist zweitrangig. Wichtig ist die Herstellung eines "Feindes", auf den man sich dann nach Leibeskräften stürzen und gegen den man das eigene Revier mit Zähnen und Krallen verteidigen kann.

2. Billie arbeitet auf Provisionsbasis und hat mit einem der örtlichen Malerbetriebe ein Abkommen geschlossen.

Um der Täterin gegenüber zu demonstrieren, daß sie im Fall 2 mit keinerlei Einkünften zu rechnen hat, legt Herrchen bis dato selbst Hand an. Der Farbeimer wird im Augenblick gar nicht erst in den Keller zurückgebracht. Lohnt sich nicht.

Für Gegenmaßnahmen zu Fall 1 arbeitet das Strategische Oberkommando derzeit noch an Aktionsplänen.

 

Jede Katze hat ihren Preis

... und der liegt in unserem Fall bei wenigen Cents.

Zwar behaupten wir, wie auch die meisten anderen Katzenfreunde, unsere vierbeinigen Freunde hätten ihren eigenen Willen.

Aber dieser kann, wenn nicht gebrochen (das geht bei Katzen sowieso nicht), so doch günstig gestimmt werden. Mit sehr wenig Geld.

Das Geheimnis liegt im Falle unserer Katzen ganz offen in den Regalen einer bundesweiten Supermarkt-Kette. Dort werden "Sticks" bereitgehalten, die in zwei Varianten verfügbar sind.

Wir bewahren diese Sticks (das Kaufen ausreichender Mengen ist anzuraten) in einer bestimmten Schublade in unserer Küche auf. Das Geräusch, das entsteht, wenn diese Schublade geöffnet wird, erkennen unsere Katzen in jeder Entfernung, und ganz gleich, womit sie gerade beschäftigt sind, lassen sie sofort alles liegen und stehen.

Man kann dann aus den Augenwinkeln zwei graue und einen schwarzen Blitz wahrnehmen. Und plötzlich sind alle drei, wie schnippisch sie vorher auch vielleicht gewesen sein mögen, vollkommen gefügig.

Die Fütterung erfolgt als Ritual, das es dem betreffenden Menschen ermöglicht, sich reihum sehr beliebt zu machen. Ein Stick wird unter heftigem Beifall aus der Verpackung entnommen. Hierbei turnen die Katzen schon begeistert auf dem Entpackungskünstler herum.

Anschließend werden kleine Stückchen abgebrochen und unter strenger Einhaltung der richtigen Reihenfolge nacheinander den Katzen gereicht. Dies kann mit ein wenig Dressur verbunden werden. Die Begünstigten stellen sich, wenn sie an der Reihe sind, sehr adrett auf die Hinterbeine und entnehmen das ihnen zugedachte Stückchen direkt aus den Fingern des Fütternden.

Die allgemeine Stimmung ist anschließend äußerst gehoben und entspannt.

 


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