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Billie on Tour

Ihr ergebener Erzähler sitzt leicht depressiv zuhause. Die Hälfte seiner Frauen hat ihn verlassen.

Iris ist nämlich zu ihren Eltern gefahren -- und hat Billie mitgenommen! Oje, ist das heute ruhig hier. Der kleine Wildfang fehlt ihm richtig. Von Iris einmal ganz abgesehen.

Doch halt ... da sind ja immer noch Sita und Maya. Und die beiden tun alles, um Herrchen aufzumuntern. Sie weichen ihm seit Stunden nicht von der Seite. Um ihn herum, auf dem Katzenbaum, auf dem benachbarten Stuhl: sie entfernen sich nicht weiter als einen Meter von ihm. Er beginnt wieder Mut zu fassen.

Spätestens nachdem Maya auf seinen Schoß gesprungen ist und darauf bestanden hat, jetzt sofort mindestens zehn Minuten lang durchgeschmust zu werden, ist die Welt wieder halbwegs in Ordnung.

Schließlich ruft Iris an und meldet die glückliche Ankunft im hohen Norden. Sie ist voll des Lobes über Billie und bezeichnet sie als geborene Autofahrerin.

Das verhält sich nun so:

Manche Katzen haben ein, sagen wir einmal, nicht sehr ausgeprägtes Mobilitätsbewußsein, zumindest wenn es um die großen brummenden Transportmittel geht.

Sita etwa kann das überhaupt nicht leiden, tut dies auch lautstark kund und versucht ständig, aus dem Korb auszubrechen. Vor Jahren, auf der Strecke Hannover-Mainz, ist ihr das auch einmal kurz vor dem Ziel gelungen, indem sie den Weidenkorb solange systematisch mit Zähnen und Krallen bearbeitete, bis eine Fluchtmöglichkeit offenstand. Die letzten fünf Kilometer dürften die anstrengendsten der ganzen Fahrt gewesen sein.

Maya hingegen äußert beim Autofahren keinen Protest, sondern wählt die innere Emigration. Ab und zu sieht sie den Fahrer aus dem Korb heraus vorwurfsvoll an und sagt einmal leise "Piep". Da bekommt man Schuldgefühle, sage ich Ihnen.

Auftritt Billie. Mitsamt Katzenkorb auf dem Beifahrersitz angeschnallt, die Öffnung halb zu Frauchen gerichtet, damit die Kommunikation während der Fahrt gewährleistet ist.

Wie Frauchens glaubhafter Schilderung zu entnehmen ist, hat Billie jedoch bereits nach wenigen Metern das Interesse an Fahrersitz, Lenkrad und Lenkerin verloren und blickt geradeaus. Sie ist alles andere als ängstlich oder verärgert, sondern konzentriert sich auf die Strecke und versucht ständig, über das Armaturenbrett hinwegzuspähen. Vermutlich, um den einen oder anderen Tip zur Fahrweise abzugeben.

Ihr Erzähler vermutet außerdem insgeheim, daß sie den Autoatlas aufgeschlagen vor sich auf dem Sitz liegen hatte und Frauchen gelotst hat.

Manche Katzen sind eben die geborenen Kopiloten. Was Billie wohl erzählt, wenn sie von ihrer Reise zurückkehrt?

 
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