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Ach du liebe Zeit.
Hier ist vielleicht was los. Ihr Erzähler weiß nicht mehr ein noch aus. Sita geht es ähnlich. Wir sind am Ende unserer (zugegeben beschränkten) Weisheit!
Die geneigten Leser unserer kleinen Kolumne wissen, daß Ihr Erzähler für ein paar Tage Strohwitwer ist. Auch Billie ist abtrünnig und treibt sich gemeinsam mit Frauchen in Norddeutschland herum. Die Stellung wird hier durch Sita, Maya und Herrchen gehalten.
Schon gestern, Sie erinnern sich, sind die beiden treuen Damen unserem einsamen Helden sehr zugetan gewesen.
Heute jedoch schießt Maya sozusagen den Vogel ab.
Wir müssen an dieser Stelle ein kleines Eingeständnis machen. Ihr Erzähler hat neben der Leidenschaft für die geliebten Vierbeiner empörenderweise noch das eine oder andere Hobby. Das wichtigste besteht darin, sich einmal in der Woche mit einigen zweifelhaften Gestalten in einem engen Raum zu versammeln und mit Hilfe von allerlei Elektrik diverse Instrumente sowie seine Stimmbänder zu malträtieren. Dabei entsteht ziemlich laute Musik. Der Donnerstag ist als "Krach-Tach" fest im Kalender vermerkt.
(Am Freitag kommt dann von den Arbeitskollegen regelmäßig der Kommentar: "Joe Cocker ist heute mal wieder nichts gegen dich.")
Bezogen auf die augenblickliche Lage bedeutet das konkret folgendes:
Frauchen ist sowieso nicht da. Herrchen hat heute früh um sieben das Haus verlassen, um Katzenfutter heranzuschaffen.
Nach dieser unvermeidlichen Tätigkeit ist er sträflich nicht sofort nach Hause gekommen, sondern zu seinen illustren Kumpanen gefahren, um laute Geräusche zu erzeugen.
So gegen elf Uhr abends beliebt es ihm dann schließlich, gutgelaunt aufzukreuzen und so zu tun, als wäre nichts Besonderes.
Nun sind Sita und Maya nicht etwa beleidigt. Im Gegenteil, wir werden auf das Herzlichste begrüßt. Schnell wird eine Dose geöffnet, und nun kennt die Begeisterung keine Grenzen mehr.
Hastig schlingt Maya ihr Abendessen hinunter und kommt gleich wieder angerannt. Ooooh Herrchen, den ganzen Tag waren keine Menschen hier, denen ich meine Liebe zeigen konnte. Jetzt bist du dran.
Und das meint sie ernst.
Keinen Schritt kann Ihr Erzähler tun, ohne daß Maya an seiner Seite ist. Laut wird er darauf hingewiesen, daß jetzt dringend geschmust und gespielt werden muß. (Eine Pflicht, die wir nur zu gerne erfüllen.)
Der Flur kann nicht durchquert werden, ohne von Maya angesprungen zu werden. Sie besteht darauf, eine Inspektion der Wohnung auf Herrchens Schulter zu absolvieren.
Schließlich setzt unser Held sich an den Computer, um einmal nachzusehen, was in der Welt so passiert ist, während er sich in schlecht beleuchteten Räumen mit beachtlicher Geräuschkulisse aufgehalten hat.
Es gibt kein Entkommen. Schwupp, sitzt Maya auf seinem Schoß und wird natürlich pflichtschuldigst mit angemessener Zärtlichkeit behandelt.
So geht das eine Weile, bis Maya entdeckt, daß Sita sich auf dem benachbarten Stuhl zusammengerollt hat. Und nun ist Sita fällig.
Maya will abgeleckt werden. Jetzt sofort. Ausgiebig. Sie drängelt ihren Kopf gekonnt an Sita heran, was bei dieser den üblichen Leckreflex auslöst. Eine Zeit lang geht das gut, bis Sita schließlich genug hat und anfängt zu schimpfen. Maya ist das völlig egal, sie drückt ihr Köpfchen weiter gegen Sita. Ein Schrei und eine Ohrfeige sind das Resultat. Sita ist beleidigt und geht weg.
Maya ist jedoch nicht im Geringsten an Sitas Befindlichkeit interessiert; sie will einfach nur weiter am Kopf geleckt werden und rennt hinterher. Mit äußerster Penetranz wird die mittlerweile schon sehr genervte Sita belagert. Schließlich ist die Toleranzgrenze überschritten, und Maya bezieht Prügel.
Nachdem Maya, solchermaßen belehrt, den Rückzug angetreten hat, ist aus verständlichen Gründen Herrchen wieder an der Reihe, denn es hat noch nicht genug Zärtlichkeit stattgefunden. Unser Held wollte aber eigentlich ins Bett gehen, um für den nächsten Zyklus des Katzenfuttererwerbs etwas ausgeruht zu sein: Hilfe!
So werden wir uns am nächsten Tag eben wieder bei halbem Bewußtsein ins Büro schleppen. Nicht nur mit der für einen Freitag üblichen Rockmusik-bedingten Übermüdung, sondern schlimmer, aber immerhin mit einem guten Gewissen. Wir haben unsere Pflicht gegenüber den Vierbeinern erfüllt.
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