Fünf Mikrosekunden |
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Fünf Mikrosekunden sind fünf Millionstel Sekunden. Das ist die Zeit - für die Physiker unter uns -, in der ein Lichtstrahl eine Strecke von gerade mal anderthalb Kilometern zurücklegt. Es ist auch die Zeit, nach der ein Frankfurter Taxifahrer dich anhupt, wenn du an der gerade auf Grün umgesprungenen Ampel vor ihm stehst. Eine sehr kurze Zeitspanne. Es ist auch die Zeit, die unsere süße Coco für das Einfordern ihres Lieblingsrituals benötigt. Coco ist zweifellos die liebste Katze der Welt. Das ist eine unumstößliche Tatsache. Ihr kleines Herz kennt rein gar nichts Böses. Sie hat nichts Zickiges an sich und will einfach nur geliebt werden. Nie knurrt sie irgendwen an - außer den Staubsauger, aber das ist eine andere Geschichte. Zu allen ist sie freundlich und schüttet einen unerschöpflichen Quell der Liebe über uns aus. Ständig finden hingebungsvolle Schmuseorgien statt, bei denen sie intensive Schnurr-Melodien über mehrere Oktaven hinweg erfindet. Dass sie dabei gelegentlich vor lauter Wonne sogar ein kleines bisschen zu sabbern beginnt, nehmen wir gerne in Kauf. Coco ist einfach durch und durch ein Herzchen. So nimmt sie sich ihre Schmuseeinheiten, wo immer sie kann. Aber das Beste kommt abends. Und zwar regelmäßig und an jedem einzelnen Abend. Coco bereitet sich immer darauf vor, indem sie irgendwann im Schlafzimmer verschwindet. Dort begibt sie sich schon mal in Warteposition: Am Fußende des Betts rollt sie sich ein. Und wartet. Sie weiß genau, es wird bald geschehen. Und sie hat ja recht. Die Menschen sind überaus berechenbar. Sie schlafen - im Unterschied zu Katzen - immer an der gleichen Stelle. Und sie kommen jeden Abend wieder zu dieser Stelle. Und dann ist Herrchen fällig. Es läuft wie folgt ab: Der männliche Haushaltsvorstand betritt das Schlafzimmer und trifft Vorkehrungen für die Nachtruhe. Diese laufen immer gleich ab und beinhalten zum Beispiel das Ablegen des künstlichen Fells, das muss man als Katze nicht genau beobachten. Es genügt, wenn man lediglich ein Auge zu einem Drittel öffnet, um zu überwachen, ob Herrchen anschließend die üblichen Bewegungsabläufe ausführt: Bettdecke aufschlagen, ins Bett legen, Bettdecke über sich breiten. Und ab jetzt läuft die Zeit. ZACK. Fünf Mikrosekunden später blickt Herrchen direkt in liebevolle Katzenaugen, nur getrennt durch ein paar Millimeter Luftlinie. Coco steht auf seiner Brust, stupst ihr Näschen an Herrchens Näsch... äh Zinken, schaut ihn mit diesem unvergleichlichen Blick an und lässt schon mal das Motörchen loslaufen. Es folgt das abendliche Pflichtprogramm - Durchknuddeln, bis der Arzt kommt. Auf der breiten Brust kann man sich wunderbar aalen, wieder aufspringen, das Köpfchen gegen das Menschengesicht drücken und anschließend wonnig wieder umfallen. Das geht so etwa fünf Minuten, bis der allergrößte Zärtlichkeitshunger gestillt ist. Dann hat Coco genug, blickt sich kurz um, wie um zu sagen, sie käme dann später nochmal wieder, hopst vom Bett und ist weg. Exakt so spielt sich das Geschehen Abend für Abend ab. Und immer sind es fünf Mikrosekunden vom Zuschlagen der Bettdecke bis zum Sprung auf die Brust. Wir haben's gemessen, ehrlich. Coco trainiert jetzt, um es in vier Mikrosekunden zu schaffen. Wenn der Rekord eingestellt werden sollte, berichten wir hier natürlich wieder. |