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Schaukämpfe gehören zum Alltag im Wetterauer Katzenhaushalt. Immer mal wieder müssen die Verhältnisse geklärt werden.
Besonders wichtig scheint das zu sein, wenn Frauchen oder Herrchen nach kurzer Abwesenheit wieder die Wohnung betreten. Dosenöffner! Seht nur, wie adrett wir uns prügeln!
Wäre dies ein Boxring, so würde der Zeremonienmeister vielleicht auf die folgende Weise den Showdown einleiten:
"Zu meiner Linken: Bisher ungeschlagen -- mit beachtlichem Kampfgewicht -- der Champion -- Siiiiitaaaaaaaaaaa!
Und zu meiner Rechten, die Herausforderin, nur ein Fliegengewicht, aber wieselflink und keck -- Biiiillllliiiiiiiiieeee!"
Und so kann der Kampf beginnen. Maya hält sich, wie üblich, zurück und verfolgt das ihr etwas proletarisch anmutende Geschehen mit großen Augen und abschätzigem Gesichtsausdruck.
Los geht's! Billie zischt millimeterdicht an Sitas Gesicht vorbei und rennt um die nächste Ecke. Sita, die damit beschäftigt war, gelangweilt einen Fuß vor den anderen zu setzen, ist irritiert und hält kurz inne. Billie lauert hinter der Ecke, späht herüber und setzt zu einem neuerlichen Tiefflug an. Erneut rast sie um Haaresbreite an Sita vorbei. Daß sie dabei mit ihrem Kopf Sitas Schwanz streift, ist genau kalkuliert und beginnt Sita nun doch zu ärgern. Ein schimpfendes "Ä!" ertönt.
Billie könnte nun gewarnt sein. Aber der Sinn der Sache ist ja gerade, die Große zu provozieren. Erneut nimmt sie Anlauf und rast auf Sita zu. Diesmal hat sie jedoch die Rechnung ohne die Vorderpfote gemacht, die Sita blitzschnell hebt und ihr so den Fluchtweg versperrt. Kollision!
Ein schwarz-graues Bündel tobt nun auf dem Boden herum. Acht Beine und zwei Schwänze scheinen fast verknotet; man kann kaum an der Farbe ausmachen, wo die eine Katze aufhört und die andere beginnt. Fellbüschel fliegen umher, untermalt von Kampfgeräuschen wie "Ä! Ä!" und "Iiiiik! Iiiiiiiik!"
Die Sicht klart allmählich auf. Wir sehen eine schwarze Champion-Katze auf dem Boden sitzen, sehr aufrecht, sehr erregt, die Augen zu zornigen Schlitzen verengt. Zwischen ihren Beinen liegt die kleine graue Provokateurin auf dem Rücken, bittet mit "Iiik"-Rufen um Gnade und stemmt ihre Beine der übermächtigen Chefin entgegen, um weitere Schläge von sich abzuhalten.
Es setzt noch die eine oder andere Ohrfeige, bis Sita der Ansicht ist, daß die Bestrafung nun ausreichend schmerzhaft war. Langsam dreht sie sich weg und geht einen Schritt zur Seite.
Die augenscheinlich eben noch schmerz- und angstverkrümmte Billie ist mit einer eleganten Bewegung wieder auf den Beinen. Eine Sekunde bleibt sie regungslos stehen und fixiert Sita. Dann hebt sie eine Pfote und -- haut Sita auf den Schwanz!
Auf Sitas Schrei folgt ein Blitzstart, und die wilde Jagd geht wieder los. Über Stock und Stein hetzen die beiden galoppierend durch die Wohnung. Irgendwann hat Sita Billie wieder eingefangen, und eine neue Prügelei nimmt ihren Lauf. Auch diese endet mit einer vorgeblich unterwürfigen Billie, die so tut, als gestände sie ihre Niederlage ein, nur um gleich darauf Sita wieder irgendwohin zu zwicken. Man kann ihre Gedanken lesen: "Komm doch, Alte!"
So geht das eine Weile, bis beide Kontrahentinnen völlig erschöpft sind. Die Dosenöffner applaudieren pflichtschuldig, denn sie wissen, das Schauspiel wurde nur zu ihrer Belustigung aufgeführt. Ganz schön geltungsbedürftig, unsere Tiere. Echt.
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