|
Sagen Sie mal, dürfen Ihre Katzen mit ins Bett? Nicht? Dann würde uns interessieren, mit welchen Mitteln Sie dieses Verbot konsequent durchsetzen.
Unsere dürfen. Und das ist ja auch oft sehr süß. Nur manchmal tut es weh.
Eigentlich gibt es ja kaum etwas Netteres. Man kuschelt sich als Mensch genüßlich in die Decke beziehungsweise aneinander. Und dann kommt noch eine Katze, um gute Nacht zu sagen. Hops, ist sie auf dem Bett, stolziert probehalber einmal auf einem Menschenbein hinunter und wieder herauf, kommt aufs Kissen und schnuppert einem am Gesicht. Dabei ertönt lautes Schnurren. Man kann gar nicht anders, als das Tier zu liebkosen.
Das wird zutreffend als Erfolg der kätzischen Bemühungen ausgelegt, und sie macht es sich nun erst richtig gemütlich. Die Schnurrhaare kitzeln uns im Gesicht. Schließlich wird (je nach Grad unserer Erschöpfung) entweder ein Kompromiß gefunden, der darin besteht, daß die Katze auf dem Kissen drei Millimeter weiter nach außen rutscht, oder aber das Tier wird sachte, aber bestimmt der Schlafstatt verwiesen (wohl wissend, daß es fünf Minuten später wieder da sein wird -- aber da schlafen wir vielleicht schon, wenn wir Glück haben).
So ist das mit gewöhnlichen Katzen. Nicht aber mit Billie, dem Wirbelwind. Oh, das Schmusen und Schnurren findet statt, aber der Nachteil aus menschlicher Sicht ist der, daß Billie dabei zusehends aktiver wird. Die Bettdecke mit ihrer hügeligen Geographie ist nämlich ein ideales Jagdgelände, und so kann es geschehen, daß die eben noch streichelnde Hand plötzlich zur Beute erklärt wird, wenn sie sich in einer Talmulde "versteckt".
Die Decke ist ein idealer Platz zum Anschleichen, Verstecken, Darunterkriechen und um unversehens zuzuschlagen. Das wiederum ist ein Schauspiel, das einem als Dosenöffner genug Spaß macht, um es nicht vorzeitig abzubrechen, nur um so einer trivialen Tätigkeit wie dem Schlafen nachzugehen.
Aber nun wird es richtig gemein. Stellen Sie sich vor, Sie liegen im Bett, den Rücken gegen das Kopfteil gelehnt. Welche Stellung haben Ihre Füße?
Bei normalen anatomischen Verhältnissen sind sie mit den Zehen nach oben gerichtet und beulen die Bettdecke hoch. Ha! Beulen! Beulen in der Bettdecke sind ein untrügliches Anzeichen, daß sich hier ein Feind versteckt. Beulen werden attackiert.
Das ist zunächst nicht weiter schlimm, außer daß man öfters mal neue Bettwäsche kaufen muß. Nur ist Billie ja auch nicht blöd. Recht schnell hat sie erkannt, daß ein Beulen-Angriff von oben durch die Bettdecke uneffektiv ist, da die Beute nicht schnell genug erlegt wird.
Aber es gibt ja noch einen anderen Weg zum Feind. Flugs ist ein Weg unter der Bettdecke hindurch gebahnt und -- AUA! Jetzt sind die Zehen dran. Das Zurückzucken des Fußes wird als versuchte Flucht gewertet und die Tötungsanstrengungen verdoppelt. Bis die Decke panisch vom Bett geworfen und die Katze ergriffen ist, ist es ihr bereits gelungen, markante Kratz- und Beißspuren zu hinterlassen. O weh. Wieder einmal ist Rasierwasser und Wundsalbe angesagt.
Es ist immer das gleiche. Und wissen Sie was? Wir wissen es jedesmal vorher. Und wir lassen es trotzdem geschehen. Weil es so schön gruselig ist, von dem kleinen Fußmonster überfallen zu werden. Und weil es so gut tut, wenn der Schmerz nachläßt.
|