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Himmel, was sind wir heute wieder zerschreddert. Hände und Unterarme weisen tiefe Kratzer und Bißspuren auf. Besonders bei Iris.
Daß wir nicht auf der Intensivstation behandelt werden müssen, ist ein Wunder.
Warum tun wir uns das eigentlich an?
Weil es furchtbar Spaß macht.
Ehrlich.
Billie ist immer noch Kind genug, um einen ganzen Abend lang ihren eigenen Schwanz zu jagen und sich dabei nach Herzenslust im Kreis zu drehen. So etwas Verrücktes und gleichzeitig Süßes anzuschauen, wirkt einfach herzerwärmend.
Und wie Dosenöffner nun einmal sind, wollen sie an der Freude und Lebenslust ihrer vierbeinigen Besitzer teilhaben. Mal im Ernst, was hat das Leben uns sonst Besseres zu bieten?
Also versuchen wir, am Spiel teilzunehmen. Und zu unserer großen Freude geht Billie darauf ein!
Eine menschliche Hand kriecht über das Sofa. Langsam, tipp tipp tipp. Plötzlich bewegt sie sich schneller -- wusch -- und sucht sichere Deckung unter einem Kissen.
(Äußerste Aufmerksamkeit seitens Billie. Die Augen sind riesengroß und schwarz, der Körper in ganzer Länge auf das Sofa gepreßt.)
Die Hand linst kurz unter dem Kissen hervor und zieht sich sofort wieder in die Deckung zurück.
(Billie zuckt mit dem ganzen Körper und ist aufs Äußerste angespannt.)
Die Hand, sich in trügerischer Sicherheit wiegend, verläßt das Kissen und läuft -- tipp, tipp, tipp -- sorglos über das Sofa.
BANZAI! Die Jägerin macht einen beherzten Satz und stürzt sich auf die Beute. Zähne und Klauen werden in das nichtsahnende Opfer geschlagen. Letzteres wehrt sich verzweifelt und erreicht mit letzter Kraft das rettende Kissen. Billie malträtiert derweil ihren eigenen Schwanz, um Energie abzubauen.
Die Hand versteckt sich. Billie lauert. Ha. Der Feind ist ausgemacht, und er hat nicht mehr lange zu leben.
Ein Finger lugt vorsichtig unter dem Kissen hervor, wackelt mal in die eine, mal in die andere Richtung. Gerade noch rechtzeitig zieht er sich wieder zurück. Billie beißt ins Kissen, wieder und wieder, während dieses wilde Zuckungen des darunter versteckten Opfers offenbart.
Pssst. Hier ist niemand. Stille kehrt ein. Hier ist keine Beute. Bewegungslos harrt die menschliche Hand im Versteck aus.
Ausbruchsversuch! Die Hand verläßt den Unterschlupf und versucht, sicheres Terrain zu erreichen, hat aber nicht mit der gewieften Jägerin gerechnet, die sich nunmehr mit allen Gliedmaßen sowie Maul auf das Opfer stürzt und alles daran setzt, einen schnellstmöglichen Tod herbeizuführen.
Billie wendet nun -- wie auch schon bei den anderen Raubtieren unseres Haushaltes beobachtet -- den sogenannten Strampelbiß an. Die Vorderpfoten halten das Opfer fest in den weit ausgefahrenen Krallen, zur Sicherheit werden außerdem spitze Zähne erbarmungslos hineingeschlagen, während die Hinterbeine in regelrechter Raserei die Beute wieder und wieder zerfetzen.
Am Ende steht auf Seite der Dosenöffner üblicherweise eine Behandlung mit Rasierwasser und Wundsalbe. Das Gejammer ist groß. Aber würden wir darauf verzichten?
Niemals. Dafür ist das ganze Schauspiel einfach zu süß.
Alles hat seinen Preis. Und die Krankenkassenbeiträge werden bald auch noch erhöht.
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