Polizei! |
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Hier in der Wetterau haben wir sozusagen "Offenes Wohnen". In der warmen Jahreszeit stehen die Terrassentüren immer offen, wenn wir anwesend sind, und die drei Grazien halten sich gerne auf der (eingezäunten) Terrasse auf. Das lädt natürlich zu Besuchen ein. Mal angenehm, mal weniger. Unser ruhiges Wohnviertel beherbergt viele Katzen, und wir kennen sie fast alle. Oft ist eine im Garten anzutreffen, entweder nur auf Durchreise, oder weil sie die Neugier zu einem Besuch an der Wetterauer Katzenterrasse anstachelt. Der Garten ist auch schon der Schauplatz martialisch klingender Katerkämpfe gewesen - wobei die Kontrahenten sich aber anschließend wieder immer gut vertrugen (das ist auch besser für sie, denn sie wohnen direkt links beziehungsweise rechts von uns). Und so kommen sie alle immer wieder vorbei: die Großen, die Kleinen, die Bunten, die Getigerten, die Schwarzweißen. Und nicht selten kommt es zum Kontakt. So ein Terrassennetz weckt die Neugier - auf beiden Seiten. Wer ist das dahinter? Und wer ist das da draußen? Im Lauf der Zeit bilden sich so Sympathien und Antipathien heraus. Nachbars Rambo beispielsweise (der im Gegensatz zu seinem Namen ein wirklich grundgütiger Kerl ist) wird von unseren Grazien gerne hier gesehen. Er kommt öfter auf Besuch, und am Terrassennetz beschnuppert man sich und tauscht den letzten Tratsch aus. Nicht so gerne dagegen mögen sie den Klingelkater, einen Tiger von schräg gegenüber, der seinen Spitznamen dem Umstand verdankt, dass er eine Zeitlang ein Glöckchen tragen musste. (Das haben ihm die Besitzer zum Glück mittlerweile wieder abgenommen.) Frech kommt er ans Netz und versucht glatt einzubrechen. Herbeieilende Wetterauer Grazien müssen sich dann noch in Acht nehmen, dass sie nicht von den wilden Schlägen durch das Netz getroffen werden! Da hat er aber die Rechnung ohne unsere Russinnen gemacht. Gemeinsam spurten sie los und nehmen ihn mit ihren Vorderpfoten unter Trommelfeuer. Bisher hat er immer noch schnell das Weite gesucht. Den Vogel aber schießt der Wuschelkater ab. Auch er stammt aus der näheren Umgebung und wird von uns so genannt, weil er sich mit einem weiß-grauen, halblangen seidigen Fell schmückt. Hübscher Bursche eigentlich. Doch auch er hat Einbrecher-Ambitionen, und aus irgendeinem Grunde haben unsere Damen ihn so richtig gefressen. Heute ist er schon wieder da. Er duckt sich unter dem Busch ans Netz und wirft gierige Blicke hinein. Wir werden aufmerksam, weil von draußen plötzlich ein sirenenartiges Geräusch ertönt, das durchaus Qualitäten hat, einem das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Alles wird stehen und liegen gelassen. Was ist da draußen los? Mit einem Blick erfassen wir die Situation. Aha, der Wuschelkater ist wieder da. Maya kauert kurz vor dem Netz. Sie ist die Quelle der Geräuschkulisse, und sie macht dem Weißgrauen eindeutig klar, dass es keine gute Idee wäre, näher zu kommen. Unsere herzensgute, sanfte Maya überzieht den Möchtegern-Eindringling mit einem solch wütenden Geschrei, dass er in der Bewegung erstarrt ist. Die Übersetzung lautet ganz klar: "Versuch's nur, dann bekommst du derart auf die Mütze, dass dich deine eigene Mutter nicht mehr erkennt." Wir halten uns im Hintergrund, denn Maya scheint die Situation ja gut im Griff zu haben. Sita hält es ähnlich und beobachtet die Lage recht distanziert von einer gemütlichen Position auf dem Kratzbaum. Aber sogar die kleine Billie hält das Fähnlein hoch. Sie eilt an Mayas Seite und buckelt, und auf einmal ist der Schwanz dieses zierlichen, kleinen Tiers buschig und fast so dick wie der Arm Ihres Erzählers. "Furchterregend" ist vielleicht das passendste Wort zu dem Schauspiel, das unsere Grazien hier abliefern. Und so verzagt der Wuschelkater allmählich. Jede Bewegung, die er macht, führt zu einem weiteren Aufheulen der Maya-Sirene, was ihn doch sehr verunsichert. Schritt für Schritt zieht er sich unter dem verbalen Bombardement zurück und sucht schließlich das Weite. Sieg auf ganzer Linie für die Wetterauer Special Task Force. Und so ist es für Ihren Erzähler an der Zeit, den früher getätigten, unverzeihlichen Ausspruch von den Wetterauer Memmen schnellstens zurückzunehmen und unseren tatkräftigen Polizeikatzen Abbitte zu leisten. Dies sei hiermit zerknirscht getan und weiterhin die Zuversicht ausgesprochen, dass wir uns unter solch hervorragendem Polizeischutz nicht die geringsten Sorgen über kätzische Eindringlinge machen müssen. |