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Impfungen reine Wohnungskatzen
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Ilsebilse



Anmeldungsdatum: 18.10.2006
Beiträge: 280

Verfasst am: 16.11.2006 - 18:59    Titel: Impfungen reine Wohnungskatzen  

Hallo allerseits,

beim Stöbern in einem nur für Tierärzte zugänglichen Forum bin ich gerade auf die Frage nach den Impfempfehlungen für Wohnungskatzen gestoßen - und auf folgende Antwort:

"Bei reiner Haltung im Haus/Wohnung ist die aktuelle Auffassung so, dass auf die Tollwut und FeLV-Impfung verzichtet werden kann.
Bei jeder Wiederholungsimpfung ist aber in solchen Fällen eine Impfanamnese wichtig, da Tierhalter häufig vergessen mitzuteilen, dass sich die Lebensumstände des Tieres geändert haben (Freilauf, Katzenpension, andere Katzen im Umfeld)."

Zur Information und - ggfs. - als Diskussionsgrundlage beim Tierarztbesuch. Die genaue Quelle gebe ich gerne auf Nachfrage bekannt (aus Datenschutzgründen poste ich sie hier nicht :wink: ).

Liebe Grüße, Ilse
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Ilsebilse



Anmeldungsdatum: 18.10.2006
Beiträge: 280

Verfasst am: 16.12.2006 - 17:41    Titel:  

Hallo allerseits,

ich habe mir letzte Woche zum Nikolaus die neue Ausgabe von "Tierärztliche Impfpraxis", 2006, Enke-Verlag, gegönnt. (Naja, ich brauche es halt auch für die Fachtierarztprüfung :wink: )

Das Kapitel zu Impfungen bei der Katze stammt von U. Truyen (generell Pro-Impfung eingestellt) und ernthält doch einige Neuerungen zur oft noch gängigen Impfpraxis.
Für Euch zur Info und im Zweifelsfalle für die Diskussion mit dem TA/TÄ fasse ich mal einige wesentliche Punkte zusammen:

1) Es wird unterschieden zwischen "Core" und "Non-core" Impfungen, Core-Impfungen sind für jede Katze wichtig, Non-core wird nur bei Bedarf geimpft.
Core-Impfungen sind Katzenschnupfen und Katzenseuche.
Begründung: Katzenseuche = Feline Panleukopenie (Parvovirusinfektion) ist hochansteckend und die Erreger sind so stabil, dass sie auch mit Schuhen/Kleidung eingeschleppt werden können - also können sich auch Wohnungskatzen anstecken. Die Impfung gegen Katzenschnupfen (Calici- und Herpesviren) wird nicht begründet; aufgrund des z. T. schweren klinischen Bildes und der Tatsache, dass viele Katzen Ausscheider sind und andere Katzen sich so leicht anstecken können, würde ich persönlich meine Katze impfen lassen.

2) Tollwutimpfung ist für reine Wohnungskatzen überflüssig. Bei möglichem Kontakt mit Wildtieren (auch eingezäunter Auslauf!) und in Haushalten mit Hunden sollte jedoch gegen Tollwut geimpft werden - nicht zuletzt, weil Tollwut eine Zoonose ist und die Krankheit beim Menschen immer tötlich verläuft (wenn die ersten Symptome aufgetreten sind). Außerdem besteht für Reisen innerhalb der EU z. T. Impfpflicht.


3) Der Zeitraum für Wiederholungsimpfungen gegen Katzenseuche/Katzenschnupfen nach der Grundimmunisierung wird mit 1-3 Jahren angegeben - also "nach Bedarf", je nachdem, wie hoch die Antikörpertiter (also die Stärke der Immunantwort) sind oder wie wahrscheinlich eine Ansteckung ist. Das sollte immer im Einzelfall entschieden werden - Bsp.: Im Falle einer reinen Wohnungshaltung ohne Kontakt mit Fremdkatzen und gutem Gesundheitszustand der Tiere würde also alle 3 Jahre ausreichen.

4) Alle Non-Core-Impfungen müssen sich an der individuellen Situation des Tieres und der Umgebung orientieren - dafür ist ausführliche Beratung von Seiten des TA/TÄ nötig (ob das alle TAs so wissen und können...?). Das heißt auch, ändert sich die Lebenssituation des Tieres, können bestimmte Impfungen überflüssig werden bzw. neue nötig sein - die Einzelsituation entscheidet! Das gilt auch für den Abstand der Wiederholungsimpfungen (innerhalb des Zeitrahmens, für den die Wirksamkeit bewiesen ist)!

Zur Grundimmunisierung Katzenseuche/Katzenschnupfen:
Für beide Core-Impfungen wird 8. +12. + 16. Woche + 15. Monat empfohlen, danach alle 1-3 Jahre Wiederholungsimpfungen.

Zu den Impfstoffen:

Katzenseuche: Es gibt Lebend- und Totimpfstoffe. Die Lebendimpsftoffe waren in Studien durchweg wirksamer. Entgegen früherer Annahmen scheinen Parvoviren genetisch stabil zu sein, so dass nichts gegen die Verwendung von Lebendimpfstoffen spricht. (Die meisten Katzenseuche-Impstoffe auf dem Markt sind Lebenvakzinen.)

Katzenschnupfen: Die Impfwirkung ist hier oft nicht optimal, was u. a. daran liegt, dass verschiedene Erreger (z. B. auch Chlamydien) beteiligt sein können und dass es bei den Caliciviren verschiedene Stämme gibt - der Impfstoff wirkt aber nur gegen die Stämme, aus denen er gewonnen wurde. Herpesviren können sich im Nervengewebe "verstecken" und werden dort nicht vom Immunsystem entdeckt.
Herpesvirus: Hier sollten nur Totimpfstoffe verwendet werden, da die Lebendimpfstoffe zu unsicher sind (Weiterverbreitung, Auslösen von Erkrankungen).
Caliciviren: Hier unterscheiden sich die Impfstoffe der einzelnen Hersteller darin, welche Stämme enthalten sind. Leider unterscheiden sich die Feldstämme, die Katzen anstecken, oft von denen, die im Impfstoff enthalten sind - da muß der TA eigentlich mal genauer recherchieren, was aktuell am besten funktioniert! Falls nämlich trotz Impfung im Praxisgebiet Krankheitsfälle auftreten, muß ev. ein anderer Impfstoff eingesetzt werden - den perfekten Impfstoff gibt es gegen Caliciviren z. Zt. nicht. Daher muß u. U. auch häufiger geimpft werden (wenn Katzen z. B. durch Freigang häufig in Kontakt mit infizierten Tieren kommen können). Ev. ist dann auch eine Impfung gegen Chlamydien nötig. Aber das entscheidet sich wieder alles nach der individuellen Situation!

So, wie man sieht, ist das alles gar nicht so leicht und starr schematisiert - ich fürchte, dass viele praktizierende Tierärzte sich dessen gar nicht bewußt sind - und ja auch nicht so viel Zeit haben, sich damit auseinanderzusetzen. Im Zweifelsfalle kann es aber sicher nicht schaden, als Tierbesitzer mal auf das Buch zu verweisen!

Liebe Grüße, Ilse
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UrmelMurmel



Anmeldungsdatum: 18.03.2004
Beiträge: 1587

Verfasst am: 16.12.2006 - 18:56    Titel:  

Hallo Ilse,

vielen Dank für die Info und die Quelle. :thumbup:

Zitat:
Für beide Core-Impfungen wird 8. +12. + 16. Woche ... empfohlen


Also dreimal hintereinander? Das hör ich zum ersten Mal.

Was steht denn in dem Buch bezüglich dazu:
Jungkatzen werden ja (so wie ich das bisher kannte) zur Grundimmunisierung zweimal nacheinander geimpft, 8.+12. Woche. Als Grund kenne ich, weil in der 8.Woche das Immunsystem noch nicht in der Lage ist, eine große Anzahl von AK zu bilden, weshalb in der 12. Woche nochmal geimpft wird (knapp zusammengefasst), ich habe das von hier:
http://www.wetterau-katzen.de/phpbb/viewtopic.php?t=4021
und hier:
http://www.wetterau-katzen.de/phpbb/viewtopic.php?p=21500#21500
Katzen, die nach der 12. Woche geimpft wurden oder wenn die letzte Impfung im späteren Alter mal länger zurück liegt, bräuchten demnach keine zweimalige Imfung.

Viele TA's (zumindest die, die ich aufgesucht habe) impfen aber immer zweifach, wenn der Impfschutz nicht mehr besteht, was ja (bisher) nach einem Jahr der Fall gewesen sein soll. D.h. war die Katze über ein Jahr nicht zur Impfung, soll sie wieder zweimal hintereinander im Abstand von vier Wochen geimpft werden.
Als ich meine Katzen nach drei Jahren (bzw. war der Kater länger als drei Jahre nicht geimpft, weil er zu der Zeit krank war, die Katze war aber vor drei Jahren geimpft) wieder gegen Schnupfen/Seuche impfen lassen wollte, sagte mir natürlich der TA, dass ich zweimal kommen soll. Da ich da die obigen threads schon gelesen hatte, wollte ich nun darüber mit dem TA diskutieren bzw. es erklärt haben, warum. Leider sagte er mir (wortwörtlich:) das geht tiiiief ins Fachliche rein, das würde ich als Laie sowieso nicht verstehen und ich müsse ihm das schon glauben, schließlich hat er studiert und er ist der Arzt :lol:
Und wollte mir das partout nicht, trotz mehrmaligem Nachfragen erklären. Also ließ ich meine beiden schnell impfen, sagte dann, das er den Termin in vier Wochen stecken lassen kann und verabschiedete mich lieb ;-).
Somit habe ich aber keine Erklärung bekommen.

Deshalb nun meine Fragen:
Muss eine Katze, wenn sie länger nicht geimpft wurde, wieder grundimmunisiert werden?
Muss das immer zweifach (oder nach der obigen Empfehlung sogar dreifach) sein, in jedem Alter der Katze?

Lieben Gruß
Urmel
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Ilsebilse



Anmeldungsdatum: 18.10.2006
Beiträge: 280

Verfasst am: 16.12.2006 - 20:37    Titel:  

UrmelMurmel schrieb:

Deshalb nun meine Fragen:
Muss eine Katze, wenn sie länger nicht geimpft wurde, wieder grundimmunisiert werden?
Muss das immer zweifach (oder nach der obigen Empfehlung sogar dreifach) sein, in jedem Alter der Katze?


Hallo Urmel,

die dreimalige Impfung in der 8. bis 16. Woche ergibt sich aus 2 Gründen (und ist deshalb nicht in Stein gemeisselt):

Es ist sinnvoll, gegen Katzenseuche möglichst früh zu impfen, da die Erkrankung über eine Verminderung der Abwehrzellen zu einer generellen Infektanfälligkeit führt - das ist bei Jungtieren besonders dramatisch, da ihr Immunsystem noch nicht so "trainiert" ist und sie dann schnell an Infektionen versterben. Daher die Impfempfehlung: erstmalig 8. Woche.

Dummerweise (oder glücklicherweise) nehmen die Kleinen ja aber über die Plazenta (vor der Geburt) bzw. über die erste Milch (direkt nach der Geburt) Antikörper der Mutter auf, die sogenannten maternalen Antikörper.
Diese werden im Laufe der Zeit auch wieder abgebaut, schützen aber den Nachwuchs in der Zwischenzeit vor Infektionen - neutralisieren aber auch Impfstoffe: Da noch maternale Antikörper da sind, die den Erreger=Impfstoff unschädlich machen, muß das Immunsystem sich nicht anstrengen, es werden also keine eigenen Antikörper gebildet und auch keine Gedächntiszellen - die Impfung funktioniert gar nicht oder nicht optimal.

Der Zeitpunkt, an dem die maternalen Antikörper soweit abgebaut sind, dass sie die Impfung nicht behindern, ist individuell leicht unterschiedlich.
Manche Kätzchen sprechen also schon mit 8 Wochen auf die Impfung an, andere nicht. Außerdem weiß man ja meist nicht, wie viele Antikörper das Muttertier hat (es sei denn, man läßt die bestimmen, aber das ist teuer).

Also impft man schon in der 8. Woche, um die Kätzchen zu schützen, die keine maternalen Antikörper (mehr) haben. Die Impfung in der 12. Woche klappt bei allen - aber wenn in der 8. Woche noch maternale Antikörper da waren, entspricht das der "ersten" Impfung und man muß noch einmal - also das dritte Mal impfen, damit die Wirkung ausreichend ist.

Im Buch steht dazu: "Eine Wiederholungsimpfung in der 12. Woche ist in jedem Falle anzuschliessen, eine weitere mit 15-16 Wochen unbedingt zu empfehlen."

Es sind also eigentlich 2 Impfungen ausreichend, wenn die denn wirken - um das zu testen muß man Blut abnehmen und für nicht wenig Geld untersuchen lassen - das ist für die meisten Besitzer nicht akzeptabel. Daher geht man auf Nummer sicher und impft dreimalig.

Daraus ergibt sich, dass bei älteren Katzen zwei Impfungen zur Grundimmunisierung reichen!

Generell muß man folgendes Bedenken: Durch eine Impfung (vor allem mit Totimpstoffen), wird das Immunsystem zwar angeregt, sich mit dem Erreger auseinanderzusetzen, da der Erreger aber schnell neutralisiert ist, ist der Reiz relativ gering - und die Immunantwort schwächer als bei einer natürlichen Infektion. Die erneute Konfontation durch Impfen führt zu einer verbesserten Immunantwort. Das gilt gerade für Totimpfstoffe unabhängig vom Alter des Tieres! Lebendimpfstoffe sind oft effektiver, denn wenn der Erreger sich noch vermehrt, interagiert er mit viel mehr Teilen des Immunsystems und das auch über einen längeren Zeitraum - also ein stärkerer Reiz. Es hängt absolut vom Impfstoff ab, ob 1x impfen reicht, oder ob geboostert werden muß! Bsp.: Gelbfieber beim Mensch - klasse Impfstoff, einmal impfen reicht für 10 Jahre bis lebenslangen Schutz. Dagegen Hepatitis B: Erst nach 3x Impfen wirkt die Impfung optimal.

Wie sieht das bei Katzenseuche/Katzenschnupfen aus?

Wenn ich nun gegen die Parvo- und Caliciviren mit einem Lebendimpfstoff impfe, reicht einmal u. U. aus - weil der als Lebendimpfstoff einen stärkeren Reiz darstellt. Gegen die Herpesviren muß ich aber 2x impfen, weil das ein Totimpstoff ist (sein sollte) - da ist die Immunantwort nach der 1. Impfung zu schwach. Wenn ich die drei Komponenten als Kombinationsimpfstoff einsetzte, muß ich also 2x impfen; bei Einzelimpfstoffen reicht es u. U. nur Herpes 2x zu impfen.... also trotzdem 2 Termine!

Wenn nach erfolgter Grundimmunisierung länger nicht geimpft wurde, ist rein immunologisch eine einzige Impfung noch ausreichend, wenn durch sie das Immunsystem ausreichend stimuliert wird - auch das ist wieder individuell verschieden und könnte über Bestimmung des Antikörpertiters überprüft werden. Es geht dabei ja darum, die Gedächtniszellen zu reaktivieren und dadurch den prozentualen Impfschutz bei nahe 100% zu halten.
Nun ist aber der TA grundsätzlich an Herstellerangaben gebunden - wenn er danach impft und Deine Katze wird trotzdem krank, haftet der Hersteller. Wenn der TA entgegen der Herstellerangaben seltener impft und Deine Katze wird krank, haftet der TA.....
Und der Hersteller sagt meist: Neu grundimmunisieren.
Edit: Und so steht das auch in dem Buch...habe die Stelle jetzt gefunden
:oops: .

Ich habe mit meinem Hausarzt erbittert darüber gestritten, der wollte mich nämlich komplett grundimmunisieren, nur weil mein Kinderimpfpass verloren gegangen ist (die letzten 7 Jahre mit Auffrischungsimpfungen waren dokumentiert) - ein nicht ganz einfaches Thema.

Was man außerdem wissen sollte: Wiederholungsimpfungen sind wie oben erwähnt, dazu da den Impfschutz zu optimieren - der ist ja nicht nach 3 Jahren komplett weg, sondern die Gedächtniszellen werden einfach weniger/träger. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, bei Infektion zu erkranken steigt - ein teilweiser Schutz ist aber noch gegeben. Auch nach der allerersten Impfung der Grundimmunisierung ist ja schon ein gewisser Schutz da. (Bsp: Hepatitis B beim Mensch: 50%)

Also muß man wieder den Einzelfall betrachten - wie oft wurden Wiederholungsimpfungen nach der Grundimmunisierung gemacht? Wie lange wurde nicht geimpft? Wie hoch ist das Infektionsrisiko? Um welchen Impfstoff handelt es sich?

Bsp.:
Bei einer Freigängerkatze, die nach der Grundimmunisierung 5 Jahre nicht mehr geimpft wurde, würde ich neu grundimmunisieren - da hohes Infektionsrisiko und geringer vorhandener Impfschutz anzunehmen sind.

Eine reine Wohnungskatze, die nach Grundimmunisierung 3 Jahre lang jährlich geboostert wurde und nun 4 Jahre nicht geimpft wurde, würde ich persönlich einmal impfen und die Impfung nach 1 Jahr wiederholen - danach alle 3 Jahre. Warum? Nach 3x boostern sollte eine gute Immunität vorhanden gewesen sein. Wenn das vorgeschlagenen Impfintervall bei max. 3 Jahren liegt, sollte nach einem Intervall von 4 Jahren noch ein Restschutz bestehen, den ich durch die Auffrischung verbessere - wenn auch vielleicht nicht gleich auf 100%. Da ja aber bei der Wohnungskatze die Infektionsgefahr geringer ist, kann ich das verbleibende Risiko in Kauf nehmen. Mit der zweiten Impfung nach einem Jahr verbessere ich nochmal die Immunität, die dann eigentlich nahe des optimalem sein sollte - und kann bei geringem Infektionsrisiko wieder den gesamten Zeitrahmen von 3 Jahren ausschöpfen.

Ich hoffe, das war einigermaßen verständlich und beantwortet Deine Fragen!

Liebe Grüße, Ilse
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UrmelMurmel



Anmeldungsdatum: 18.03.2004
Beiträge: 1587

Verfasst am: 17.12.2006 - 10:06    Titel:  

Hallo Ilse,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort :D

Also ist das bei jeder Katze auch individuell zu betrachten.

Deine Antwort war (für mich) sehr verständlich und hat auch meine Fragen beantwortet, es haben sich aber für mich daraus neue Fragen ergeben, aber ich schätze mal, du hast nicht soviel Zeit? :lol:

Eine Frage wäre z.B. , ich hatte gelesen, dass die Seuche-Impfung 7 Jahre lang hält, wenn nicht sogar ein Leben lang
http://www.wetterau-katzen.de/phpbb/viewtopic.php?t=3821
und
http://www.haustierimpfung.de/katzen.htm
Darüber hatte ich, als ich noch Katzen hatte, sehr viel nachgedacht, wie ich es denn mit den Impfungen nun halte, deshalb würde mich schon sehr interessieren, was du von dieser Aussage hältst?
Nach deiner letzten Antwort könnte man das eigentlich so pauschal gar nicht sagen? Man müsste zwischen Tot- und Lebendimpfstoff unterscheiden und es käme auch auf die Katze (und auch auf das Infektionsrisiko) an, wie weit nach drei und mehr Jahren der Impfschutz noch da ist und ob man boostern sollte/möchte?

Und eine zweite wichtige Frage, die sich daraus ergibt, wäre,
wenn die Katze nach der Impfung reagiert, kann ich dann davon ausgehen, dass der Körper (gut) AK bildet und ein weiteres Boostern nach vier Wochen nicht sein muss? Oder kann man das von der Reaktion her nicht ableiten?
Beispiel: Reaktion bei meinen Katzen war: nach der Schnu/Seu-Kombi-Impfung (ich weiß leider nicht, ob lebend oder tot-Impfstoff -> gibt es eigentlich im Netz eine Datenbank, wo man das nachschauen kann? hab über google nichts gefunden), waren beide matt und angeschlagen und haben drei Tage vermehrt geschlafen und gelegen, als ob sie was ausbrüten. Beim Kater folgte dann eine Augenentzündung (mehr Reizung - gerötetes Auge) auf dem einen Auge und als die abklang dann auf dem anderen Auge. Außerdem hat er in diesen Tagen ein paar Mal genießt (er hat sonst nie genießt in seinem 10-jährigen Leben). Hab dann schon Panik bekommen (hab schon öfter mal was von Impfdurchbruch gelesen), aber nach ca. 10 Tagen war dann alles wieder gut (dazu möchte ich noch sagen, das mein Kater sowieso manchmal solche leichten Augenentzündungen hatte in Stresssituationen, immer erst auf dem einen Auge und dann folgend auf dem anderen Auge).
Daraus ergab sich für mich ein Konflikt - diese Reaktion hatte mir irgendwie Sorgen gemacht, so das ich nicht scharf auf weitere Impfungen war, auf der anderen Seite habe ich vor dem Seuche-Virus großen Respekt (und speziell in meinem Fall hatte ich Kontakt zu Seuche- und Schnupfenkranke Katzen, aber natürlich extremst desinfiziert, bevor ich mein Wohnung betrat).
Du bräuchtest, falls du Zeit zum antworten hast, nicht unbedingt auf den speziellen Fall meiner Katzen eingehen, denn meine Katzen hab ich ja sowieso nicht mehr :( (und den Kater hätte ich eh nicht mehr geimpft, weil er krank war),
mich würde aber sehr interessieren, wenn die Katze nach der Impfung reagiert, ob da eine Nachimpfung in vier Wochen angebracht ist? Und ob ich daraus ableiten kann, das der Körper sich auseinandersetzt und AK bildet?

Ach je, ich hätte noch mehr Fragen :lol: :oops: , eine ist für mich noch wichtig:
wenn ich zwei Katzen habe, eine davon ist chronisch krank und lass ich nicht impfen, die andere möchte ich impfen lassen mit lebend-Impfstoff (gegen Schnupfen, also mit Calici-Impfstoff), kann diese die andere infizieren? Mich verunsichert die Aussage:
Zitat:
Lebendimpfviren können im Impfling mutieren und andere (geimpfte!) Artgenossen infizieren.

http://www.haustierimpfung.de/katzen.htm

Lieben Gruß
Urmel
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Ilsebilse



Anmeldungsdatum: 18.10.2006
Beiträge: 280

Verfasst am: 17.12.2006 - 14:37    Titel:  

Hallo Urmel,

eigentlich müßte ich ja jetzt lernen, aber Du gibst mit eine prima Ausrede, dass noch eine halbe Stunde herauszuschieben! :wink:

Zur Dauer der Immunität nach der Impfung mit Lebendimpfstoffen gegen Katzenseuche:

In den Lehrbüchern findet man immer so schön vage Angaben wie "jahrelang" - 7 Jahre ist wohl genauso genau und willkürlich wie 3 Jahre... Fakt ist, dass der Lebendimpfstoff lange schützt und dass erwachsene Katzen, die sich mit Katzenseuche infizieren, meist nicht mehr klinisch krank werden - d. h., man würde zwar vielleicht einen Rückgang der weißen Blutzellen als Folge der Viruserkrankungen feststellen, die Tiere sind in diesem Zeitraum dann auch anfälliger für andere Infektionen (z. B. mit Bakterien), erscheinen aber nicht krank. Anders bei jungen Katzen - da können 60-90% alleine durch die Virusinfektion sterben.
Das macht es leider schwierig, die genaue Wirkdauer der Impfung zu bestimmen - würde ich Katzen 7 Jahre nach der Grundimmunisierung infizieren, werden sie entweder nicht krank, weil noch ein Impfschutz besteht, oder sie werden nicht krank, weil sie aufgrund ihres Alters weniger empfänglich sind... Ich vermute, dass deshalb die Zeitangaben so auseinandergehen. Man könnte an diesem Punkt dann nämlich auch anfangen, darüber zu streiten, wie denn der Impferfolg gemessen wird: Schutz vor Symptomen oder weniger Virusausscheidung, etc.
Bei Katzenseuche ist es so, dass Antikörper das Virus neutralisieren, indem die Antikörper an die Rezeptoren des Virus binden und dadurch blockieren. Die Rezeptoren braucht das Virus aber, um an die Zielzellen anzudocken und in die Zelle zu gelangen, nur in Zellen können Viren sich vermehren. Somit ist der Schutz gegen Katzenseuche abhängig vom Antikörpertiter und auch meßbar. (Bei anderen Viruserkrankungen ist die Abwehr über andere Immunzellen wichtiger, da ist der Antikörpertiter nicht aussagekräftig zum vorhandenen Schutz.) Streiten kann man sich aber wieder darüber, ab welchem Titer der Schutz sicher ist - das hängt u. a. auch davon ab, mit wie viel Virus die Katze infiziert wird... Man könnte das alles natürlich wissenschaftlich untersuchen, aber dazu muß man Katzen experimentell mit dem Virus infizieren - ich glaube nicht, dass die Fragestellung dringend genug ist, um dafür in Deutschland eine Tierversuchsgenehmigung zu bekommen.
Also sind 3 Jahre eine Art Kompromiß: Man geht damit auf Nummer sicher und boostert u. U. obwohl es noch nicht nötig ist. Das heißt aber auch, dass es dem Tier dann nicht schadet - ist der Impfschutz noch vorhanden, wird der Lebendimpfstoff ohne Probleme und großen Aufwand vom Immunsystem eliminiert. (Mögliche Nebenwirkung durch Adjuvanzien mal außen vor - aber die werden eher bei Totimpfstoffen eingesetzt und das wäre jetzt ein verdammt weites Feld.)

UrmelMurmel schrieb:

Und eine zweite wichtige Frage, die sich daraus ergibt, wäre,
wenn die Katze nach der Impfung reagiert, kann ich dann davon ausgehen, dass der Körper (gut) AK bildet und ein weiteres Boostern nach vier Wochen nicht sein muss? Oder kann man das von der Reaktion her nicht ableiten?


Die Antikörperantwort nach der 1. Impfung sagt erstmal nur aus, dass das Immunsystem reagiert hat. Das heißt aber noch nicht, dass auch Gedächtniszellen gebildet worden sind! Es kann durchaus passieren, dass man prima viele Antikörper hat, die nach einem halben Jahr aber weg sind und wenn dann nicht genug Gedächtniszellen da sind, kann die Katze erkranken. Die zweite Impfung hingegen stimuliert - bei schon vorhandenem zeitweisen Schutz - die Bildung/Aktivierung der Gedächtniszellen und ist damit für den langfristigen Schutz sinnvoll. (Auch hier gibt es wenige Ausnahmen: Bei der Gelbfieberimpfung ist nach einer Impfung schon ein langfristiger Schutz da - dafür tat mir nach der Impfung aber auch 2 Wochen der Hintern weh...)

Der Schutz durch Totimpfstoffe ist generell kürzer als durch Lebendimpfstoffe (weil sich die Erreger nicht vermehren etc.) - deshalb sind generell häufigere Wiederholungsimpfungen nötig

UrmelMurmel schrieb:

Beispiel: Reaktion bei meinen Katzen war: nach der Schnu/Seu-Kombi-Impfung (ich weiß leider nicht, ob lebend oder tot-Impfstoff -> gibt es eigentlich im Netz eine Datenbank, wo man das nachschauen kann? hab über google nichts gefunden), waren beide matt und angeschlagen und haben drei Tage vermehrt geschlafen und gelegen, als ob sie was ausbrüten. Beim Kater folgte dann eine Augenentzündung (mehr Reizung - gerötetes Auge) auf dem einen Auge und als die abklang dann auf dem anderen Auge.


Hier wäre es interessant zu wissen, was tatsächlich geimpft wurde - was steht denn im Impfpass? Im Praktischen Tierarzt gibt es regelmäßig Impfstofflisten, da könnte ich mal nachschlagen.
Mir fallen auf Anhieb drei Möglichkeiten ein, die direkt mit der Impfung zu tun haben könnten:

1. Es wurde eine Lebendimpfstoff mit anderen Calicivirus-Stämmen (Katzenschnupfen) eingesetzt als vorher, die Katze ist gegen diese Stämme noch nicht immun und reagiert daher.
2. Es wurde ein Lebendimpfstoff gegen Herpesviren (Katzenschnupfen) geimpft, der zu den Symptomen führt. (Gegen die Herpesviren sollte ein Totimpfstoff verwendet werden!)
3. Es wurde mit einem Lebendimpfstoff gegen Chlamydien (Katzenschnupfen) geimpft, er zu den Symptomen führt. (Aber das hätte man Dir eigentlich sagen müssen)

Es kann aber auch streßbedingt gewesen sein. Wenn die Katze sich vor der Impfung bereits mit Herpesviren infiziert hat, persistieren diese jahrelang und die Erkrankung bricht bei Streß - und dazu gehören Impfungen! - wieder aus. Wenn der Kater häufiger mal leichte Augenentzündungen hat, spricht einiges für eine persistierende Herpesvirusinfektion - es kann aber auch was anderes gewesen sein.


UrmelMurmel schrieb:

Ach je, ich hätte noch mehr Fragen :lol: :oops: , eine ist für mich noch wichtig:
wenn ich zwei Katzen habe, eine davon ist chronisch krank und lass ich nicht impfen, die andere möchte ich impfen lassen mit lebend-Impfstoff (gegen Schnupfen, also mit Calici-Impfstoff), kann diese die andere infizieren? Mich verunsichert die Aussage:
Zitat:
Lebendimpfviren können im Impfling mutieren und andere (geimpfte!) Artgenossen infizieren.

http://www.haustierimpfung.de/katzen.htm


Die geimpfte Katze kann die andere theoretisch mit dem nicht-mutierten Lebendimpfstoff anstecken! Antikörper neutralisieren Caliciviren nicht. Die geimpfte Katze kann das Impfvirus u. U. über Wochen ausscheiden, und das kann dann durchaus leichte Erkrankungen auslösen (ist beschrieben worden). Daher muß man abwägen: Welche chronische Erkrankung hat die andere Katze? Wie gut ist der Impfschutz der zu impfenden Katze (je besser der Schutz, desto wahrscheinlicher wird das Impfvirus zerstört, bevor es zur Ausscheidung und somit Ansteckungsgefahr kommt)? Je nachdem würde ich mich für oder gegen eine Impfung entscheiden. Oder lieber einen Totimpfstoff verwenden (aus virologischer Sicht sinnvoller; wird auch in "Tierärztliche Impfpraxis" so empfohlen).

Zum Mutieren von Impfstämmen: Das hängt zunächst einmal von der Virusart ab: Soweit mir bekannt ist, mutieren Caliciviren und Parvoviren (entgegen früherer Annahmen) nicht häufig - bis gar nicht - in der Katze. Anders Coronaviren. Das ist ein Grund, der gegen die FIP-Impfung spricht. Gegen die Impfung mit einem Calicivirus-Lebendimpfstoff spricht also nicht das Risiko einer Mutation, sondern die mögliche Rest-Virulenz des Impfstoffes.

So, jetzt muß ich aber wirklich lernen!:wink:

Liebe Grüße, Ilse
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Ilsebilse



Anmeldungsdatum: 18.10.2006
Beiträge: 280

Verfasst am: 18.12.2006 - 17:59    Titel:  

Und noch ein Update... :wink:

Ich bin gerade in "Der Praktische Tierarzt" (Ausgabe Sept. 2006, S. 668) auf die Impfempfehlung der ABCD (European Advisory Board on Cat Diseases) gestoßen, bezüglich Katzenseuche:

Demnach sollten Kätzchen in jedem Falle mit 9 und 12 Wochen geimpft werden, bei hohem Infektionsdruck (Tierheim) oder regelmäßig geimpften Müttern (Zucht) wird eine dritte Impfung mit 16 Wochen empfohlen. Nach 1 Jahr sollte aufgefrischt werden, danach alle drei Jahre oder länger. Erwachsene Katzen mit unbekannter Impfgeschichte sollten einmal mit Wiederholung nach einem Jahr geimpft werden, danach normal alle 3 Jahre (oder länger).

Im Großen und ganzen also wir in "Tierärztliche Impfpraxis".

Liebe Grüße, Ilse
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UrmelMurmel



Anmeldungsdatum: 18.03.2004
Beiträge: 1587

Verfasst am: 20.12.2006 - 16:11    Titel:  

Hallo Ilse,

so jetzt komme ich endlich mal dazu zu antworten... :oops:

Ganz lieben Dank für deine ausführliche Antwort und das du dir nochmal Zeit genommen hattest.
Hab soweit alles gut nachvollziehen können, aber das Thema ist ja schon recht komplex.

Wenn bei der Impfung gegen Caliciviren die Katze Ausscheider sein kann, wäre ja ein Totimpfstoff besser. Bei Impfung gegen Herpesviren sollte ja sowieso ein Totimpfstoff genommen werden. Somit Impfung gegen Schnupfen Totimpfstoff, deswegen auch öfter und dann geht ja auch keine Kombi mit Seuche, wo ein Lebendimfstoff besser ist, da der effektiver ist und länger hält. Ich nehme mal an, das in einer Kombi-Spritze, keine Totimpfstoffe gg.Schnupfen und Lebendimfstoff gg. Seuche drin ist?

Zitat:
Hier wäre es interessant zu wissen, was tatsächlich geimpft wurde - was steht denn im Impfpass?


Dort auf dem kleinen Aufkleber steht: Fiovax PHC und Essex Tierarznei.

Auf jeden Fall vielen Dank für die ganzen Infos!

Lieben Gruß
Urmel
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Ilsebilse



Anmeldungsdatum: 18.10.2006
Beiträge: 280

Verfasst am: 14.01.2007 - 16:14    Titel:  

Hallo Urmel,

ich habe endlich die aktuelle Impfstoffliste aus der Terärztlichen Umschau bekommen - die Essex Homepage scheint nicht richtig zu funktionieren... also zu deinem Impfstoff:
UrmelMurmel schrieb:

Dort auf dem kleinen Aufkleber steht: Fiovax PHC und Essex Tierarznei.


Fiovax PHX enthält Parvovirus, Calicivirus und Rhinotracheitisvirus (d. h. Herpesvirus), allesamt als Lebendimpfstoff!

Eurifel RCP von Merial wäre eine Alternative, der Impfstoff enthält eine Kombination aus Lebendimpfstoff gegen Parvovirus und inaktivierten Komponenten gegen Caliciviren und Herpesviren. In Eurifel RC sind nur die Komponenten Calici/Herpes enthalten (beide inaktiviert), das wäre dann also eine Möglichkeit, gegen Katzenschnupfen zu boostern, ohne Katzenseuche mitzuimpfen.

Gegen Katzenseuche gibt es außerdem als einzigen monovalenten (nicht-Kombinations-) Impfstoff Eurifel P von Merial (Lebendimpfstoff), wenn man die Kombination Seuche/Schnupfen auflösen möchte.

Für den Fall, den Du beschrieben hattest, nämlich dass eine zweite, chronisch kranke Katze nicht geimpft wird, wäre das sicherer als Fiovax.

Liebe Grüße, Ilse
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